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Eine Einführung für Eilige, 2. Teil

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Zusammensetzung

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Lehm setzt sich zusammen aus Sand und Ton. Der Ton, genauer
gesagt die Tonminerale, umschließen die Sandkugeln und kleben
sie zusammen. Die sehr unterschiedlichen Korngrößen des Sandes
(von 0,002 mm bis Feldsteingröße) und die unterschiedlichen
Eigenschaften der Tonminerale ergeben eine sehr große
Variationsbreite von Eigenschaften.

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Tonmineralien Mineralgruppe
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Quellung
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Kaolinit
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mäßig
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Pyrophylite
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keine
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Montmorillonite
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sehr stark
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Beidellite
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sehr stark
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Vermiculite
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stark
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Illite
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mittel
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Korngrößen von Steinen, Sand, Schluff und Ton

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(nach DIN 4022 T1)

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Benennung
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Korngröße in mm
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Spez. Oberfläche in cm2/g
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Steine
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400-63
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Grobkies
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20-63
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20
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Mittelkies
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6,3-20
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Feinkies
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2-6,3
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Grobsand
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0,6-2
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200
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Mittelsand
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0,2-0,6
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Feinsand
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0,06-0,2
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Grobschluff
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0,02-0,06
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2000
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Mittelschluff
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0,006-0,02
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Feinschluff
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0,002-0,006
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Ton
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< 0,002
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> 20.000
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Die Zusammensetzung von Lehmen kann durch das Dreiecksnetz
nach Voth dargestellt werden oder nach Gewichtsprozent der
einzelnen Korngrößen durch eine Sieblinie.

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Sieblinien

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Das Korngerüst ist um so belastbarer, je weniger
Zwischenräume für die Tonmineralien als Klebstoff
bleiben und je besser die einzelnen Kügelchen des
Sandes ineinander passen. Am wenigsten dicht liegen
sie, wenn alle Kügelchen gleich groß sind, am dichtesten,
wenn sie verschiedene Größen haben und ihre Verteilung auf
der Größenskala der Sandkörner, der Sieblinie, die
"Fuller-Parabel" beschreibt. Die Sieblinie erhält
man durch Sieben des getrockneten Lehms mit verschiedenen
Sieböffnungen und anschließendem Wiegen der Siebrückstände.
Bei kleineren Korndurchmessern werden andere Methoden
angewandt.

Wichtig für die Festigkeit ist außerdem die Größe der
größten Sand- bzw. Kieskörner und ihre Scharfkantigkeit,
mit der sie sich ineinander verzahnen. Schluff liegt in
der Korngröße zwischen Sand und Ton, hat aber keine
Klebekräfte, sondern verbraucht vermutlich durch seine
große Oberfläche viel der wertvollen Klebekraft der
Tonminerale. Das genaue Zusammenwirken von Schluff und
Ton ist allerdings noch unklar.

Für Putze und Massivlehmbauten sind Lehme, die ein festes
Korngefüge haben, gut geeignet. Sie sollten etwa 10 %
Tonminerale, 30 % Schluff und den Rest Sand - gleichmäßig
von 0,06-2 mm verteilt - enthalten. Bei Leichtlehm wird das
Korngerüst von den Zuschlagstoffen gestellt, die von dem
sehr bindigen (d.h. tonhaltigen) Lehm verklebt werden.

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Plättchenstruktur der Tonmineralien

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Die Plättchen der Tonmineralien liegen wie ein Kartenhaufen
dicht aufeinander. Wird Wasser zugegeben, bilden sich
hauchdünne Wasserfilme zwischen ihnen, und das Ganze wird
sehr glitschig, bei geringer Wasserzugabe plastisch.
Verdunstet das Wasser, ziehen sich die Plättchen mit der
flachen Seite gegenseitig an. Der Prozeß des Verdunstens
und Wieder-Wasser-Zugebens kann - anders als beim Zement -
beliebig oft wiederholt werden. Deshalb kann ungebrannter
Lehm als Baustoff immer wieder verwendet werden.

Bei der Bearbeitung des plastischen Tons durch äußere mechanische
Kräfte werden die Plättchen wie kleine Magneten ausgerichtet. Diese
Strukturen bleiben beim Austrocknen erhalten. Man spricht deshalb vom
Gedächtnis oder Geheimnis des Tons.

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Wie entsteht Ton?

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Die Tonmineralien entstehen z.B. beim Verwittern von Feldspat des
Granits. Gleichzeitig werden dann die beiden anderen Bestandteile des
Granits, Quarz und Glimmer, frei und vermischen sich mit den
Tonmineralien. Diese Verwitterungsprodukte sind von Wasser, Wind und
Eis oft weit transportiert worden. Je nach endgültiger Lagerstätte hat
der Ton bzw. Lehm dann eine sehr unterschiedliche Zusammensetzung und
wird als Berglehm, Geschiebelehm, Schwemmlehm, Lößlehm, Schlicklehm,
Auelehm usw. bezeichnet. Damit sind seine technischen Eigenschaften
allerdings noch nicht ausreichend beschrieben.

Die bekanntesten Tonmineralien sind Kaolinit, aus dem
Porzellan hergestellt wird, Montmorillonit - dem
wichtigsten Bestandteil des Bentonits, einem
Verwitterungsprodukt aus vulkanischen Aschen, das zum
Plastifizieren von Tonen verwendet wird -, Illit und
Chlorit. Die Tonmineralien sind unvorstellbar kleine
Kristallblättchen, etwa 1/1000 mm klein, deren
elektrostatische Aufladung die Klebekraft des Tons
ausmacht.

Je mehr Sand als Füllmaterial im Ton enthalten ist, desto
"magerer" nennt man ihn. "Fetter" Ton besteht etwa zu zwei
Dritteln aus Tonmineralien. Bei 50 % Tonanteil spricht man
von lehmigem Ton; toniger Lehm enthält nur noch ein
Drittel, Lehm rund 20 % und sandiger Lehm 10 %
Tonmineralien. Baulehm soll 10-15 % Tonmineralien haben,
für Leichtlehmbauweisen bis 30 %, der Rest ist Schluff,
Sand und evtl. Kies. Mergel, also Lehm mit Kalk, ist zum
Bauen genauso wenig geeignet wie Lehm, der Mutterboden
enthält.

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Rohdichte (Gewicht) Lehmart
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Dichte (kg/m3)
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Quelle
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erdfeucht, krümelig
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1000-1500
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Minke
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geschüttet
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1400-1800
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Niemeyer
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sandig, Lößlehme
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1750
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Niemeyer
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mittelfett
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1850
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Niemeyer
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fett
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1900
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Niemeyer
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sehr fett und steinig
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2200-2400
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Niemeyer
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Steine, Stampflehm
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1700-2200
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Minke
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Einfache Feldversuche

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Lehm findet man in nahezu allen Gegenden. Wenn der erste
halbe Meter Mutterboden abgetragen ist und er genügend
Klebekraft hat, kann er meist zum Bauen verwendet werden.

Schon vor Ort kann man mit etwas Erfahrung die ersten
"Materialprüfungen" machen: Am Knirschen zwischen den
Zähnen läßt sich feststellen, wieviel Sand im Lehm
enthalten ist; mit dem Fingernagel geglättet, zeigt
sich am Glanz wie fett er ist. Beim "Händewaschen"
mit Lehm fühlt sich Ton seifig an, Schluff mehlig,
und Sand schwimmt schnell weg.

Die Klebekraft oder Bindigkeit läßt sich abschätzen,
indem man eine kleine Kugel langsam zu einer dünnen
Scheibe drückt, aus ihr eine etwa 3 cm dicke und 30 cm
lange Wurst rollt und sie über eine Brettkante rollend
zum Abbrechen bringt. Wenn die Wurst länger als 10 cm
"aushält", ist der Lehm fürs Bauen interessant. Bei der
genaueren Untersuchung in einem einfachen Feldlabor wird
die Klebekraft mit dem "Achterling" festgestellt. Dieser
Versuch wurde von Niemeyer entwickelt und ist in der
Lehmbau-DIN beschrieben.

Von Interesse ist außerdem das Schwindmaß, um das sich
der Lehm beim Trocknen zusammenzieht, ferner der
Kalkanteil (Salzsäuretest) und die Abschlemmprobe.
Durchgetrocknete Kugeln von 5 cm Durchmesser aus geringer
Höhe auf einen Steinboden fallen gelassen, zerspringen bei
gutem Baulehm in mehrere Teile. Zerkrümeln sie, ist der
Lehm zu sandig, behält die Kugel ihren Zusammenhalt, ist er
zu fett. Näheres findet sich in allen Lehmbaubüchern.

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Bindigkeit

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Am gebräuchlichsten ist die Einteilung der Baulehme nach
ihrer Bindigkeit, die - wie erwähnt - durch
Achterling-Proben ermittelt wird. Dabei wird die alte
Einheit "Gramm pro Quadratzentimeter" benutzt. Zu
beachten ist, daß es Jahrhunderte alte Stampflehmgebäude
gibt, die mit "lehmigem Sand" gebaut wurden, der nach
Niemeyer zum Bauen nicht mehr geeignet ist.

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Lehmart
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Bindekraft (g/cm2)
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(N/cm2)
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lehmiger Sand
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unter 50
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unter 0,5
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fast fetter Lehm
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101-200
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1,1-2,0
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fetter Lehm
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201-280
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2,1-2,8
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sehr fetter Lehm
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281-360
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2,9-3,6
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Zusätze

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Grubenlehm darf nicht durch Zusätze verunreinigt sein,
er soll kalk- und humusfrei sein. Durch Zugabe
unterschiedlicher Zusätze wird versucht, die Eigenschaften
von Lehm zu beeinflussen. Am verbreitetsten sind:

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Kalk, Zement: Erhöht die Druckfestigkeit und
Witterungsbeständigkeit. Angewandt vor allem bei
Massivlehmbauten
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Eiweiß: Erhöht die Witterungsbeständigkeit und verringert
das Schwinden. Traditionell: Urin, Kuhschit, Blut, Ei,
Quark, viel Erfahrungen. Eiweiß wirkt wie Schmiermittel
zwischen den Tonplättchen und führt zu Einsparungen von
Anmachwasser. Dadurch schwindet der Lehm weniger beim
Trocknen. Bei Kuhdung kommt hinzu, daß seine Faserstoffe
besonders für Putze sehr günstig sind.
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Salze: Erhöht die Witterungsbeständigkeit und
verringert das Schwinden und Quellen. Eine ähnliche
Wirkung wie Eiweiß hat auch eine Zugabe von 3-5 Vol.-%
Soda zum Anmachwasser. Salze wirken durch Ionenaustausch.
Es liegen nur wenig Erfahrungen über Anwendungen vor.
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Holz/Fasern: Erhöht bei Bauteilen als "Bewehrung"
die Zugfestigkeit (Stroh, Heidekraut, Zweige, Nadeln)
Erhöht die Zug- und Stoßfestigkeit, vermeidet Schwindrisse
bei Putzen (Häcksel, Kaff, Schäben aus Stroh, Hanf, Flachs,
Gras, Nadeln, Papierfasern)
Verbessert wegen Verringerung der Rohdichte die
Wärmedämmung (Stroh, Holzhackschnitzel, Sägemehl,
Sägespäne, Papierfasern)
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mineralische Zusätze verbessern wegen Verringerung der
Rohdichte die Wärmedämmung (Blähton, Blähglimmer
[Vermaculite], Blähschiefer, Perlite).
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Druckfestigkeit

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Die Druckfestigkeit des Baustoffs Lehm ist abhängig von

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dem Korngerüst,
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der Bindigkeit, da quer zur Druckspannung eine Zugspannung
aufgenommen werden muß,
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der Textur der Tonplättchen - gepatzte Steine, wie sie im
Jemen verwendet werden, sind erheblich druckfester, da sich
beim Patzen die Tonplättchen quer zur Belastungsrichtung
ausrichten,
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der Art der Lehmaufbereitung,
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dem Alter des Bauteils, weil die Druckfestigkeit im Laufe
der Zeit zunimmt,
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dem Verhältnis Anmachwasser zu Lehm ähnlich dem W/Z-Wert bei Beton.
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Es gibt erstaunlich wenig Angaben über die Druckfestigkeit,
wohl auch, weil Lehm bei uns selten als lastabtragender
Baustoff verwendet wird. Allerdings müssen auch Lehmwände
ihr Eigengewicht abtragen können. Deshalb ist es notwendig,
bei Leichtlehmwänden die Last stockwerkweise durch Träger
abzutragen. Bei höheren Brandwänden aus Massivlehmsteinen
muß auf eine ausreichende Belastbarkeit der Lehmsteine
geachtet werden.

Gut verdichtete Lehme ohne Zusätze haben eine
Druckfestigkeit von 2-5 N/mm2 oder 20-50 kg/cm2.
Es ist notwendig, für alle Lehmfertigprodukte die
maximale Druckfestigkeit anzugeben. Dies gilt besonders
für Lehmsteine.

Für die Druckfestigkeit von Leichtlehm gibt es kaum Angaben.
Erwähnt sei die Zusammenstellung bei Schneider u.a.
(siehe Tabelle in der Veröffentl. als Buch).

Niemeyer gibt die zulässige Druckspannung in Abhängigkeit
von der Bindekraft mit 0,2-0,5 N/mm2 oder 2-5 kg/cm2 bei
einer Bindekraft von 50-360 g/cm2 extrem niedrig an. Das
verwundert, da er selbst für das mehr als 100 Jahre alte
Wohnhaus aus Stampflehm in Weilburg eine vorhandene
Druckspannung von 0,75 N/mm2 oder 7,5 kg/cm2 errechnet
hat.

Zuletzt sei DIN 18954 erwähnt, die für Lehmsteine eine
Mindestdruckfestigkeit von 2,5 N/mm2 oder 25 kg/cm2
vorschreibt und für Massivlehm und Wände folgende Werte:
(siehe Tabelle in der Veröffentl. als Buch).

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Feuerbeständigkeit

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(siehe Tabelle in der Veröffentlichung als Buch)

Schneider u.a. schlagen für eine Neuregelung des Bauens mit
Lehm vor:

Brandmauern (F 90) dürfen nicht mehr als 5 Gew.-%
brennbarer Stoffe enthalten (inkl. evtl. enthaltener
Konstruktionsteile). Brennbare Konstruktionsteile müssen
mindestens 5 cm überdeckt sein, bei minimaler Wandstärke
25 cm.

Lehmbaustoffe, deren Gewichtsanteil brennbarer Stoffe 15 %
nicht übersteigt, sind nicht brennbar und können als
Brandschutz brennbarer Konstruktionsteile gelten (für F
60- und F 90-Konstruktionen geeignet).

Lehmbaustoffe, deren Gewichtsanteil brennbarer Stoffe
20 % nicht überschreitet und deren Tonanteil 10 % nicht
unterschreitet, sind schwer entflammbar. Bauteile aus
solchem Lehm gelten als brandhemmend (F 30 und F 60 sind
erreichbar).

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Raumklima

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Sich in den eigenen Wänden wohlzufühlen, ist i.allg. das
wichtigste Ziel beim Bauen und Umbauen. Für die thermische
Behaglichkeit sind in der Regel zwei Baustoffeigenschaften
wichtig: die Wärmespeicherung und die Wärmedämmung. Beim
Lehmbau kommt als dritte Eigenschaft die Wärmestrahlung
hinzu.

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Wärmestrahlung

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"Im Sommer kühl und im Winter warm" - so beschreiben die
meisten Bewohner ihre Lehmhäuser, und viele führen das
fälschlich auf die guten Wärmedämmeigenschaften von
Lehmwänden zurück. Das ist erstaunlich, denn Keppler/Lemcke
haben dies bereits 1986 überzeugend mit den
Strahlungseigenschaften des Lehms erklärt.

"Von der Sonne erhitzte Lehmwände können ihre Eigenwärme
nur schlecht abstrahlen und reflektierende Außenwände
erscheinen selbst bei kühler Raumluft im Winter warm."
(Schneider u.a.) Das ist auf schlechte Strahlungsaufnahme
und -abgabe zurückzuführen und wird physikalisch mit der
Strahlungszahl beschrieben.

Der "ideale schwarze Körper", der Wärme gut aufnimmt und
Eigenwärme optimal abstrahlt, hat eine Strahlungszahl von
5,8 W/m2hK4, ein total reflektierender Stoff 0. Die
üblichen Baustoffe liegen mit einer Strahlungszahl von
5,3 in der Nähe des "idealen schwarzen Körpers" und Lehm
mit 1,85 in der Nähe eines total reflektierenden Baustoffs.
"Das Verhalten des Lehms gegenüber Wärmestrahlung ist eine
seiner hervorragenden Eigenschaften." (Schneider u.a.;
Schaubild siehe Veröffentlichung als Buch)

Diese Eigenschaft führt wahrscheinlich - wie die folgende
Grafik zeigt - zu einer Erhöhung des Anteils der
Strahlungswärme. Auch hierzu gibt es noch erheblichen
Forschungsbedarf.

Wände aus konventionellen Baustoffen (siehe Abb. in der
Veröffentl. als Buch)
Lehmwände (siehe Abb. in der
Veröffentl. als Buch)

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Wärmespeicherung

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Wände speichern die Wärme des Tages und geben sie, wenn es
kühler wird, wieder ab. Wieviel Wärme sie aufnehmen und
wieder abgeben können, hängt von ihrem Gewicht ab und von
einer Stoffeigenschaft, der spezifischen Wärmekapazität
c. Dieser Wert ist bei Lehm i.allg. vergleichbar anderen
Baustoffen, nur Leichtlehm unter 800 kg/m3 speichert im
Vergleich mit anderen Leichtbaustoffen deutlich mehr Wärme.
Von Interesse ist dabei die Wärmemenge, die vom Volumen des
Baustoffs abhängt und im folgenden dargestellt wird.

Schaubild Lehm mit Zuschlägen (siehe Veröffentl. als Buch)

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Wärmedämpfung

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Die Wärmedämpfung beschreibt, wie schnell die Außenwand die
täglichen fünf Temperaturschwankungen nach innen weitergibt.
Eichler gibt als Komfortmaß dafür die 36er Ziegelwand an.
Schwere Wände speichern und dämpfen gut, leichte tun beides
schlecht. Die Wärmedämpfung ist allerdings auch abhängig von
der Dämmung einer Wand. Schwere Wände mit Außendämmung
dämpfen weniger als ungedämmte. Die Bedeutung der
Wärmespeicherung muß jedoch immer in Zusammenhang mit dem
gesamten Raum bzw. dem ganzen Gebäude betrachtet werden, da
Innenwände, Fußboden und Decke etwa die zehnfache
Speichermasse haben.

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Wärmeschutz

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Die Wärmeleitfähigkeit von Baustoffen ist in erster Linie
abhängig vom Gewicht, vom Anteil der gut isolierenden,
eingeschlossenen Luft. Dies gilt auch für Lehmbaustoffe,
wie nachfolgende Tabelle (nach Volhard, Lehmbauregeln)
zeigt (Tabelle siehe Veröffentl. als Buch).

Wände leiten die Wärme der Innenräume durch Wärmeleitung
nach außen. Diese "Transmissionswärmeverluste" machen mehr
als zwei Drittel der Energieverluste eines Wohngebäudes
aus. Den Zusammenhang zwischen dem Energieverbrauch eines
Hauses und dem "k-Wert" (kleiner k-Wert = geringer
Wärmeverlust) der Außenwand als Maß der Bemühungen um
Wärmeschutz für ein voll beheiztes Einfamilienhaus zeigt
das folgende Diagramm.

Werte nach IWU für Einfamilienhäuser (Endbericht
Enquete-Kommision l994), Jahreswirkungsgrad der
Heizung 80 % (siehe Abb. in der Veröffentlichung als Buch)

Durch die Ableitung der Wärme werden Außenwände auch auf
der Raumseite kalt. Da das Wohlbefinden sowohl von der
Temperatur der Raumluft als auch von der der umgebenden
Wände abhängt, kommt es bei schlecht gedämmten Wänden zu
überhitzten Räumen, zum "Barackenklima". Den Zusammenhang
zwischen k-Wert und raumseitiger Oberflächentemperatur der
Außenwand zeigt das Diagramm für die Lufttemperatur von
20° C innen und -10° C außen.

Daß Lehmwände auch bei kalten Oberflächentemperaturen
anders auf das thermische Wohlbefinden wirken, wurde
zuvor beschrieben. Auch die Gefahr der Schimmelbildung
als Folge zu niedriger Wandoberflächentemperaturen ist
bei Lehmwänden mit ihren guten feuchteregulierenden
Wirkungen unbekannt. Außerdem fühlen sie sich wärmer
an, was jeder leicht selbst feststellen kann und die
folgende Übersicht über Kontakttemperaturen bei einer
Oberflächentemperatur von 16 °C zeigt.

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Kontakttemperatur (° C)
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Leichtlehm (
r
= 300)
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24,6
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Faserlehm (
r
= 1200)
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22
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Massivlehm (
r
= 1800)
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20,8
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Beton (
r
= 2400)
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19,2
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Kalkputz (
r
= 1800)
|
20,8
|
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Holz (
r
= 600)
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23,1
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Aufbereitung

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In allen Lehmbautraditionen spielt die Aufbereitung des
Lehms eine große Rolle. Oft war sie verbunden mit schwerer
körperlicher Arbeit. Möglichst gründliches Durchtreten,
Mischen - Lehmmühlen von Mensch oder Tier bewegt.
Traditionell wurde im Herbst der Lehm für eine Baustelle
"gestochen", d.h. in schmalen Spatenstichen geborgen und
zum Auswettern in etwa 1 m hohe und 2 m breite lange Haufen
geschüttet, damit Frost und Regen die Arbeit übernehmen
konnten: Regen wird aufgesaugt und Frost zersprengt
knollenartige Tonansammlungen. Vor der weiteren
Verarbeitung wurde der durch ein Walzwerk - einen
Kollergang - oder durch eine Lehmmühle geschickt.

Erst durch eine gute Aufbereitung entfaltet Lehm seine
Eigenschaften. In Japan werden für ganz spezielle Arbeiten
von früheren Generationen gesumpfte Lehme verwendet. Vor
allem die Bindigkeit und Druckfestigkeit wachsen mit der
Aufbereitung, weil die Klebekraft der Tonplättchen besser
aufgeschlossen wird.

Heute wird der Lehm ohne größeren Arbeitsaufwand in
ausgekleideten Erdlöchem oder größeren Behältern
eingesumpft und mindestens über Nacht, besser über
mehrere Tage stehengelassen. Danach helfen Zwangsmischer,
Rührtonne, Bäckerknetmaschine oder Farbmischquirl.

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Literatur

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Enquete-Kommision, Endbericht l994

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F. Volhard: Lehmbauregeln. Voraussichtl. ab Mitte 1999 im Buchhandel erhältlich.

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Schneider, U., M. Schwimmann, H. Bruckner: Lehmbau für Architekten und Ingenieure, Düsseldorf 1996, DM 68,-

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