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Als Architekt, der sich dem Holzbau verschrieben hat,
ist mir die Redewendung "Holzwurm meidet den Lehm" bestens
bekannt. Dennoch bin ich mit dem Lehmbau vertraut und
kombiniere - wie unsere Vorfahren - Holz und Lehm. Diese
Technik hat eine lange Geschichte. Ich lebe am Bodensee,
wo Pfahlbauten eine Tradition haben. Diese Vorläufer des
Fachwerkhauses, aus Rundholz gebaut, sind sieben- bis
achttausend Jahre alt. Und weil die Häuser aus dünnen
Rundhölzern gebunden sind, entstand der Begriff "Abbund",
ein Wort, das Zimmerleute benutzen, obwohl nur wenige seinen
Ursprung kennen.

Menschen, die sich am Wasser ansiedeln, müssen mit
wechselnden Wasserständen leben. Um Schäden durch Hochwasser
zu vermeiden, bauten unsere Vorfahren ihre Häuser in die
Höhe, wollten aber dennoch erdgebunden bleiben. So kam es
zu der Verbindung von Holz und Lehmerde: Unsere Vorfahren
stampften auf den Pfahlbauten einen etwa 5 cm starken
Lehmboden, breiteten darauf ihre Felle aus und schliefen
darauf. Noch heute gelten Ventilation und Klima in diesen
Häusern als phantastisch.

Angeregt von diesem Vorläufer unserer Architektur,
entschloß ich mich, die Bauweise der Pfahlhausbauer zu
neuem Leben zu erwecken. Das heißt selbstverständlich
nicht, daß ich die Absicht hätte, Menschen unserer Epoche
zurück in die Steinzeit zu versetzen. Ich möchte vielmehr
die Vorteile des Lehmbaus in die Moderne übertragen.

Bauten der Vergangenheit zeugen vom handwerklichen Können
früherer Bauherren und Baumeister - z.B. eine gebundene
Seitenwand oder Wohnräume mit glattgestrichenem Lehmbewurf.
An der Baugeschichte läßt sich die Weiterentwicklung des
Holzbaus verfolgen, und man kann nur immer wieder staunen
über eine Schwelle, die ungefähr achthundert Jahre alt und
keineswegs verfault ist. Warum? Bei näherer Untersuchung
zeigt sich: Die Holzschwelle wurde nur punktweise auf den
Fundamentsteinen aufgelegt, so daß die Luft zirkulieren
konnte. Eine derartige "Luft"architektur zu bauen, Luft und
trotzdem Wärme im Haus zu haben - ohne Energieverschwendung
-, ist der Anspruch, den ich an meine Architektur stelle.

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Biologische Baustoffe und natürliche Energie

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Für meine Bauten verwende ich wenig Metall, und ich arbeite
mit möglichst geringen Zusatzmitteln. So verwende ich z.B.
eingenutete Blockbohlenwände. Der obere Teil besteht aus
Fachwerk mit Flechtwerk darin, dann folgt das Reetdach. Es
braucht keine gebrannten Steine, keine Wärmedämmung, keine
Dampfdiffusionsfolien, keinen Wasserschutz. Jeder einzelne
Halm im Reetdach bildet eine Dachrinne! Der Dachaufbau ist
homogen; kein Stahl, nur Eichenholznägel, also ausschließlich
biologische Baustoffe, die mit zunehmendem Alter durch ihre
natürliche Patina noch schöner werden.

Der Bund - die statische Aussteifung - läßt sich wunderbar in der Dachfläche ablesen. Ich bevorzuge die Lebendigkeit, wie sie von durchgebogenen Balken ausgeht oder von handwerklich schönen alten Hauskonstruktionen mit Mittelstützen, auf die sternförmig Balken zulaufen, wie ein gewachsener Baum.
Sechs- oder siebenhundert Jahre alte Häuser wirken in ihrer
sichtbaren konstruktiven Gestaltung, mit einer einfachen
Holzbalkenauflage aus Steinkonsolen, die aus der senkrechten
Wand hervorspringen, noch heute ansprechend. Oft ist das
Alter eines Hauses nur an typischen Merkmalen erkennbar.
Bei einem alten Schwedenhaus - es blieb erhalten, weil ein
schwedischer General im Dreißigjährigen Krieg darin wohnte -
verraten lediglich Überplattungen, wieviel Jahre es hinter
sich hat. Denn erst vor ungefähr achthundert Jahren
entwickelte sich aus der überplatteten Holzverbindung die
heute wieder eingesetzte Zapfverbindung.

Da ich im sonnigen Süden Deutschlands lebe, richte ich meine
Bauten konsequent nach der Sonne aus, berücksichtige aber
zugleich Wetterbereich, Kalt- und Warmwindrichtungen. Be- und
Entlüftungsanlagen sind überflüssig. Ich habe Häuser mit 120
m2 Wohnfläche gebaut, die mit viereinhalb
Steerholz Heizmaterial auskommen. Mehr Energie (ver-)brauchen
sie nicht, denn sie sind nach dem Mittelsommersonnenverlauf
bzw. Winter ausgerichtet. Das heißt: im Winter ist Sonne
erwünscht, von Mitte Mai bis Mitte September soll keine
Fensterscheibe vom Sonnenlicht beschienen werden. Ein
weiteres Plus sind die seitlich abgeschrägten Dächer, so daß
sich die Wintersonneneinstrahlzeit von 4-5 auf 7-8 Stunden
erhöht. Das bringt beim nichtbeheizten Haus eine
Innentemperatur von 6-7 Grad plus ein.

Es kann auch sein, daß ich ein Haus diagonal in ein
Grundstück stelle, was den Vorteil hat, daß ein 300
m2 großes Grundstück fast doppelt so groß wirkt.
(Einen Stadtplaner, der meist nur rechte Winkel und die
Geraden kennt, interessiert die Südausrichtung nicht.) Die
Blickrichtungen aus den Wohnräumen führen an den
Nachbarhäusern vorbei. Schräg angeschnittene Fassaden wirken
weniger massiv und bedrohlich, würde man sie obendrein
begrünen - wären sie großartig, was auch bei dichtester
Bebauung die Architektur verträglicher macht. Das Haus läßt
sich leichter ausrichten, "verschieben", um Bruch- und
Störzonen - mittels Wünschelrutenmessung (Geomantie)
ermittelt -, von manchen Menschen zwar belächelt, so zu
gestalten, daß Schlaf- und Wohnbereiche frei davon sind.
Betten sind grundsätzlich nach Norden ausgerichtet. Das
Besondere dieses Haustyps ist, daß die größte Außenwandfläche
nach der Sonne und alle Haupträume nach Süden ausgerichtet
sind. Die West- und Ostansicht wirkt klein, die Nordansicht
erscheint geduckt. Die Anpassung an Wetterbedingungen ist
optimal. Dem erforderlichen asymmetrischen Grundriß
entsprechend, fällt die Firstlinie nach Norden ab.
Überraschend dabei ist, daß bei 160 m2 Wohnfläche
nur 450 m3 umbauter Raum benötigt wurde (dies
ergibt eine Verhältniszahl von 2,8 - Normalhaus: ~ 4,6).

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Bautechnische Detaillösungen

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Wie sich gezeigt hat, kann sich ein "Holzwurm" sehr gut mit
Lehm anfreunden. Aber läßt sich Lehmbau auch mit rationeller
Fertigung verbinden? Diese Frage wollte ich positiv
beantworten, als ich vor rund sieben Jahren mein erstes
vorgefertigtes Lehmhaus baute. Dazu verwendeten wir Platten-
Boden-Elemente, die eine Füllung aus Lehmholzhackschnitzeln
enthalten und mit einer Diagonalschalung geschlossen werden.
Die Flächenaussteifung wird über abgesperrte Holzbretter
bewerkstelligt. Mit einem speziell entwickelten Verlegesystem
lassen sich Längen- und Breitenunterschiede bis zu 5 cm und
mehr ausgleichen. Darüber hinaus waren Rastersysteme und
möglichst dreidimensionale Anschlußpunkte zu entwickeln, die
nicht nur irgendwo in einer Ecke passen, sondern an
allen Ecken wiederkehren - also maßgeschneiderte
Anschlußpunkte für alle Innen- und Außenecken der gesamten
Wand und Deckenanschlüsse. Dennoch benötigen wir für ein in
Erdbebenzone 4 - Schwäbische Alb, die größte
Erdbebenbelastungszone in Deutschland - erbautes Haus nur für
300 DM Schrauben und Nägel. Mehr Metall ist nicht erforderlich,
weil Schwalbenschwanzdoppelleisten aus Hartholz das Haus
zusammenhalten.

Transport und Logistik sind wichtige Faktoren der Vorfertigung,
wenn es um kostengünstiges Bauen geht. Dabei sind Masse und
Qualität für mich kein Widerspruch. Masse, aufgewärmt, bedeutet
Warmluft, Energie, die abgegeben oder aufgenommen werden kann.
Gleiches gilt für Feuchtigkeit und Luftreinigung.

Schwierig ist der Transport von Wänden, die aufgebaut etwa
2,5 Raster x 1,25 m = 3,12 m x 8,0 Raster x 1,25 m = 10 m
groß, also gerade noch mit einem Tieflader transportierbar
sind. Der Transport erfolgt oft zu Baustellen, die 350 km,
mitunter sogar 800 km entfernt liegen. Vorteilhaft ist, daß
für eine ca. 160 m2 große Wohnfläche eines
Einfamilienhauses nur ca. 23 Wand-, Decken- und Dachelemente
benötigt werden. Übrigens ist dies die erste Vorfertigung,
bei der mit senkrechten Elementen gearbeitet wurde und die
Lehmlasten sich selbst abtragen (keine Holzwerkbelastung).
Diese Produktionstechnik zeichnet sich durch wesentlich
kleinere Holzquerschnitte bei gleicher Stabilität aus.
Sie kommt auch kleineren Handwerksbetrieben entgegen und
setzte sich gut durch. Für Lehmbauer erfreulich sind: keine
Querhölzer, keine Schrägstreben - es wird von der Holzschwelle
bis unter der Fußpfette mit Lehmrohlingen bzw. in Stampflehmweise
ausgefacht.

Kleinere Elementgrößen mit 2 x 1,25 m Raster x 2,50 m sind
mit einem Lkw transportierbar. Dennoch besteht - vor allem
bei häufigen und weiten Fahrten - ein Transportproblem, weil
es vor Ort oft keine Fachleute mit dem notwendigen Know-how
gibt. Vor dieser Situation standen wir auch im Gebiet
nördlich von Berlin, wo wir 10 Häuser in dieser Art gebaut
haben - bei einem Transportweg von 800 km! Bis zum heutigen
Tag konnten wir in der Region um Berlin keinen Zimmermann
finden, der den Mut hat, annähernd die geforderte Qualität
und Logistik zu garantieren.

Bei der von mir verwendeten Konstruktion sind Ecken,
wie erwähnt, mittels Doppelschwalbenschwanz zusammengefügt.
In gleicher Weise hält ein Doppelschwalbenschwanz die
angefügte Innenwand, die so jede Bewegung statisch auffangen
kann. Die einzelnen Deckenelemente setzen wir mit einfachen
Hartholzleisten oben auf, damit die Wand nicht ausscheren
kann.

Zwischen den Diagonalschalungen der Elemente wird ein sog.
Schlußbrett eingeschraubt, so werden die Elemente
untereinander schubsicher verbunden. In den Decken, sogar
im Dach ist Lehm. Auf der Einschubschalung wird ein
unbehandeltes Rieselschutzpapier aufgelegt, das die 40-60 mm
starken Lehmsteine (Rohlinge) aufnimmt, im nach oben
entstandenen Hohlraum (ca. 20 cm) wird Zelluloseisolierung
eingeblasen. Natürlich sind alle erdenklichen Dämmaterialien
einsetzbar. Damit ist auch im Decken- und Dachbereich die
Feuchtigkeitsaufnahme - ohne Dampfsperren - gewährleistet,
die Klimatisierung ist einmalig, so daß es selbst im Bad
keinen beschlagenen Spiegel gibt.

Die Außenwände können alle erdenklichen Aufbauweisen
zeigen. Zum Beispiel: beim Außenwandaufbau einer Südseite
(von außen gesehen): zweilagiger Lehmputz,
Strohleichtlehmsteine, Lehmholzhackschnitzel, Lehmrohlinge,
zweilagiger Lehmputz. Möglicher Aufbau einer Wetterseite
(Westen): Lärchenholzschalung hinterlüftet (25 mm), 2 x
Lehmschlämmen, gedichtete Diagonalschalung, 3
Schilfrohlagen à 50 mm, Holzhackschnitzel kalkgebunden,
Strohleichtlehmsteine, zweilagiger Lehmputz. In gleicher
Weise entsteht die Nord- und Ostwand, jedoch ohne
Hinterlüftung.

Die Gefache - oder frei aufgemauerten Lehmrohlinge - werden
mit Dreikantleisten bzw. Mauerwerksankern gesichert, um ein
Herausfallen oder Umfallen zu verhindern. Für jedes zweite
oder dritte Haus verwende ich Ziegel, die sonst in
Abfallcontainer wandern, weil sie etwa 80-140 Jahre alt
sind. Ich bin überzeugt, daß ein Ziegel, der 140 Jahre alt
geworden ist, auch weitere 140 Jahre überdauert. Im übrigen
wirkt die Patina sehr schön. Solch ein Dach ist aus 1-2 km
Entfernung so in der Vegetation nicht mehr auszumachen.

Eine neuere Konstruktion zeigt den senkrechten
Elementaufbau der Außenwand. Alle Hölzer laufen vom
Fundament bis zur Traufe bzw. zum Ortgang durch. Ein
geschoßweise von außen angesetzter, ebenfalls
durchlaufender und eingeplatteter Ringgurt trägt das
Deckengebälk, bindet das Haus sozusagen ein. Darauf werden
Deckengebälke aufgelegt, die allein mit einem Rundholzdübel
gesichert werden. Faszinierend dabei ist, daß die
Lehmausfachung vom Fundament bis unter die Fußpfette bzw.
dem Ortgangholz durchläuft und von Querhölzern, Streben
usw. freigehalten ist. Doch zwischen den senkrechten
Hölzern eingespannt - ob in Stampflehmtechnik oder
gemauerten Lehmrohlingen -, trägt sich das Gewicht selbst
ab! Ein weiterer Vorzug ist eine Holzeinsparung durch
geringere Querschnitte und Holzmasse.

Völlig unproblematisch ist die Elektroinstallation, die vor
den Lehmbauarbeiten mit vorgefertigten Schalter- und
Dosenbrettern einschließlich der Hohlwanddosen montiert
wird, so daß nur noch die Kabel zu verlegen und einzuziehen
sind. Die Verdrahtung inkl. Zähler ist in spätestens zwei
Tagen beendet - während beim herkömmlichen Bauen mit
gestemmten Schlitzen und häufig nicht stimmenden
Aussparungen gearbeitet wird -, da wir im Außenbereich eine
wärmedämmende magnesitgebundene Holzwolleleichtbauplatte -
ein guter Putzträger - auf 12 cm starken Aufdoppelhölzern
als verlorene Schalung verwenden. Alle Wände lassen sich
zur Wärmedämmung an einem Tag von innen mit Zellulose
ausblasen. Wenn ein Bauherr ein Nullenergie-Sparhaus
verlangt, erhält er üblicherweise eine 23,5 cm starke
Aufdopplung. Meine Konstruktionen kommen mit (12 + 3,5)
15,5 cm Dämmstärke aus und ergeben ebenfalls ein
Nullenergie-Sparhaus.

Außen- und Innenputzkanten in Kalk oder Lehm werden weich
gerundet, was ein harmonisches Bild ergibt. Wenn möglich,
verzichte ich auf Wintergärten, die mit Heizkörpern
bestückt und unzureichenden Entlüftungen als zweites
Wohnzimmer dienen und als besonders ökologisch gelten.
Allerdings sind unsere Lehmwände - anders als bei Martin
Rauch - aus rationellen Gründen in Holzrasterelementen
vorgefertigt.

Als sog. kreativer Lehmbau entstand am Bodensee ein Haus,
bei dem Mädchen und Jungen unter Anleitung von Erwachsenen
zur phantasievollen Gestaltung aufgefordert waren. Sie
bauten eine Küche mit Eßplatz in Form eines Gesichtes und
eine Lehmofenbank. Als Material verwendeten sie einfache
Haselnußstäbe aus dem Wald, die an die Wand geschraubt und
mit lehmgetränktem Jutegewebe umwickelt wurden. Darauf
wurde Lehm gestrichen, modelliert, dann nur trocknen
gelassen.

Wie natürlich Architektur sein kann, verdeutlicht eine
Lehmwand, auf der ein Grundputz mit Dinkelspelzen
aufgezogen ist. Sie keimen, vertrocknen und zeigen an, daß
der Lehmputz trocken ist. Würde eine derartige Wand am
Boden zerfallen, ließe sich darauf säen und ernten, denn
Lehm wird völlig schadlos und ohne Rückstände wieder zu
Erde. Lehm ist ein Baumaterial, das in den gesunden
Naturkreislauf integriert ist, ein Naturstoff, aus dem
wahre Naturarchitektur entstehen kann.

Dennoch überwiegen im Gegensatz zu den Forderungen des
ökologischen Bauens leider noch immer Gebäude, bei denen
bedenkenlos Ressourcen verschwendet werden. Als Beispiel
dafür steht in Berlin das Springer-Hochhaus in der
Kochstraße, Mitte der sechziger Jahre für 28 Mio. DM
erbaut. Bereits 1996 wurde es saniert, wofür wiederum 100
Mio. DM ausgegeben wurden. Das kann keine zukunftsträchtige
Architektur sein! Wir benötigen eine Gebrauchsarchitektur,
die konsequent Sonnenenergie und Wetterschutz nutzt. Eine
hinterlüftete Wetterwand verhindert feuchte Wände,
verursacht keinen Schimmel oder irgendein anderes Problem.

Gebäude und Wohnungen aus Lehm vermitteln ein
unvergleichliches Wohngefühl. Wer je in einem Lehmhaus
lebte, möchte es nie wieder missen. In der Erschließung
menschenfreundlicher, natürlicher Wohnräume sehe ich meine
Aufgabe als Architekt. In einer Zeit, in der Stahl und Glas
die Architektur prägen und enorme Energie verschwendet
wird, ist das zwar keine leichte, doch eine lohnende
Aufgabe. Zudem beweist die Geschichte, daß Bauten aus Holz
und Lehm - nicht nur am Bodensee - zur natürlichsten Sache
der Welt gehören.

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Verfahren und Kosten

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Ganzheitliches Denken, die Grundlage für das heutige
Bauen, beginnt bei der Planung und umfaßt die Erkundung
von Landschaft, Natur und Vegetation ebenso wie die
Berücksichtigung
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natürlicher und künstlicher Störungen (wie Lärmquellen),
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mittelbarer und unmittelbarer Störungen (Windrichtungen,
Hauptwetterichtung),
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geomantische Störungen von der Erde (Bruchzonen, Wasseradern,
gepulste Funkwellen, Richtfunk usw.).
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Aus diesen Kriterien heraus entwickeln sich Lebens- und
Erlebnisräume, die in die Grundrisse einfließen und einen
weitgehenden Verzicht auf technische Ökologie erlauben, wie
künstliche Verschattungen, motorbetriebene Be- und
Entlüftungsanlagen usw.

Beim Bauen mit Lehm haben wir die Erfahrung gemacht: je größer
der Masseanteil Lehm, je besser ist das Wohnraumklima, bedingt
von der luftreinigenden Wirkung bis zur selbständigen
Raumtemperatur- und Luftfeuchtigkeitsregulierung.

Kriterien der Vorfertigung: Um Kosten und Zeit zu sparen
und eine größere Unabhängigkeit von der Witterung zu erzielen,
erscheint uns die Einhaltung folgender Kriterien bei der
Vorfertigung sinnvoll:

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genaueste und klare Planungsvorgaben, gut durchdachte,
wandelbare Grundrisse;
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exzellente Detailplanungen, die dreidimensional durchdacht
sind, wie das Zusammenfügen der Hölzer in gezapfter oder
gezinkter Form und mit Kaseinleim verleimt (rückstandsfrei);
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Ausführung von Elementverbindungen (Innen-, Außendecken,
Geraden, Innenwandanschlüsse usw.) mit einer
Schwalbenschwanzverbindung ohne Verschraubung;
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eine möglichst trockene, luftige Werkstatt- oder Hallenlagerung;
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Wahl eines Rasterabstandsystems, bei dem die Breiten- und
Höhenmaße mit den Transportbedingungen auf den Straßen
übereinstimmen;
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eine präzise Verlade-, Transport- und Aufbaulogistik, die
an die Witterungsgegebenheiten gekoppelt sein muß;
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eine präzise Verlade-, Transport- und Aufbaulogistik, die an die
Witterungsgegebenheiten gekoppelt sein muß;
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eine wohldurchdachte Aufbauplanung, d.h., gesicherte Lkw- und
Kranstandplätze sowie eine möglichst trockene
Elementzwischenlagerung;
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eine exakte Koordination der Gerüstbau-, Klempner-,
Dachdeckerarbeiten.
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Werden diese Kriterien rechtzeitig und konsequent
berücksichtigt, wirken sich beim Bauen mit vorgefertigten
Elementen viele Vorzüge aus. Unter anderem:
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eine völlige witterungsunabhängige Werkstatt- oder
Hallenfertigung;
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trockene und kurze Materialwege;
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sämtliche Maschinen der Holzbearbeitung sind einsetzbar;
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der Holzschutz erfolgt durch Holztrocknung, für einen weiteren
Schutz sorgt eine spezielle Lehmschlemmbehandlung;
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die Verladung der angefertigten Elemente ist problemlos,
Aufstellzeiten verkürzen sich;
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nach vier bis fünf Tagen kann bereits das Dach eingedeckt
werden, Fenster werden sofort oder unmittelbar nach dem
Aufstellen eingebaut;
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innerhalb einer Woche kann der Innenausbau erfolgen
einschließlich aller Sanitär-, Heizungs-, Elektro-, Fußboden-,
Treppen- sowie Malerarbeiten. Die natürliche Abhängigkeit von
der Witterungszeit (wie Holzschalung, Balkon, Lehm- oder
Kalkputz) wird auf den Außenbereich begrenzt.
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Eine derart konsequente Planung und Bauausführung bewirkt
Zeit- und Kosteneinsparung (beispielsweise durch kurze
Mietdoppelbelastung) und führt zu einer beträchtlichen
Erleichterung der Festkostenangebote.

Obwohl die von mir entwickelte Bauweise auf vorgefertigten
Elementen beruht, erlaubt sie dennoch ein sehr hohes Maß an
individueller Hausgestaltung. Darüber hinaus erfüllt Lehm im
Vergleich zu allen uns bekannten Baustoffen am besten die
Anforderungen an eine Speichermasse und wird allen Ansprüchen
der natürlichen Klimatisierung gerecht. Lehm schenkt den
Menschen Gesundheit und Wohlbefinden und läßt Tiere und
Pflanzen gedeihen. Insofern ist (Lehm)"Masse = Qualität".
Außerdem bedeutet Masse = Gewicht, was sich erheblich auf
Konstruktion und Transportkosten auswirkt.

Vorfertigungsarten: Das erste vorgefertigte
Elementlehmhaus, das wir mit einem 1,25-m-Raster aufbauten,
steht in der Schwäbischen Alb. Es besteht aus Holzelementen,
gezinkt und mit Kaseinleim verleimt, und hat eine aussteifende
Diagonalschalung, Nut und Feder (N+F), die nur mit
Schwalbenschwanz-Hartholzleisten verbunden werden. Decken- und
Dachelemente mit sichtbar behandelter Einschubschalung wurden
mit Holzhackschnitzel-Leichtlehm gefüllt. Eine aussteifende
Diagonalschalung an der Oberseite verbindet die Außenwände mit
einer Hartholzleiste, die Deckenelemente werden in vorhandene
Nuten an der Unterseite des Deckbretts eingeschoben und durch
ein Schalbrett miteinander verschraubt. Eine absolute Neuheit
stellt die witterungsbedingte Wandausrichtung dar.

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Südwand: Innen Lehmputz, zweilagig, Lehmrohlinge
(11,5 cm), Holzhacklehmfüllung (10 cm), Strohleichtlehmstein
(15 cm), Diagonalschalung (0,22 cm), Schilfputzträger mit
zweilagigem Lehmputz.
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Westwand (Wetterwand): Lehminnenputz auf
Strohleichtlehmsteinen (15 cm), Holzhackschnitzel, kalkgebunden,
Schilfrohrdämmung (2 x 5 cm), Diagonalschalung, Winddichtpapier,
hinterlüftete Lehmputzfläche bzw. Holzschalung.
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Nord- und Ostwand: Ausführung wie die Westwand, jedoch
mit 3 x 5 cm Schilfrohrdämmung. Keine hinterlüftete
Lehmputzfassade.
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Innenwände: Fertigung aus vorgefertigten, gezapften
Holzfachwerken mit Kaseinleim verleimt, ebenfalls mit
Schwalbenschwanz-Hartholzleisten angeschlossen, ausgefacht mit
Lehmrohlingen, zweilagig mit Lehmputz versehen.
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Bei dieser Konstruktion wurden nur für etwa 800 DM Schrauben
und Nägel verbraucht. Der Transportweg betrug max. 80-100 km.

Vorgefertigte Holzelemente zur späteren Lehmausfachung:
Bei dieser Vorfertigung steiften wir nur die Innen- und
Außenwände als gezapfte Holzelemente mit einer
Diagonalschalung aus und bauten sie mit
Hartholzschwalbenschwanzleisten zusammen. Aus Transportgründen
lieferten wir Decken- und Dachgebälke als Einzelteile mit
fertiger Oberflächenbehandlung an und bauten die
Einschubschalungen auf 3-4 m Länge zusammen.

Außenwandaufbau: Von innen zweilagiger Lehmputz auf 18
cm Leichtlehmholzhackschnitzel, gestampft, Diagonalschalung,
12 cm Zelluloseisolierung, Heraklith 35 mm (N+F), Lehmputz-
bzw. kalkputzarmiert, im Wetterbereich hinterlüftet.

Um die Horizontalaussteifung wesentlich zu erhöhen,
entwickelten wir zur Herstellung vorgefertigter senkrechter
Holzelemente eine neue Konstruktion, was zudem den Vorteil hat,
daß sich die Lehmausfachungen selbst abtragen. In der
Ausfachungsebene liegen keine Gebälkstreben. Sie befinden sich
außerhalb, so auch der Ringgurt. Er nimmt die Deckengebälke
auf, die nur durch Holzdollen gehalten sind. Darüber hinaus
kann auf eine teure Diagonalschalung verzichtet werden. Ein
Transport über 150-200 km wäre akzeptabel.

Für Wände, Decken und Dach verwenden wir vorgefertigte
Lehmplatten von Resi-Clay. Die Oberflächen sind streichfähig
geschliffen.

Kalkulation der Kosten: Wir entwickelten
drei Ausführungen, die unterschiedliche Kosten verursachen:

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im Innenbereich keine sichtbaren Holzgebälke, mit einem
zweilagigen Lehmputz überzogen, ohne Unterkellerung. Kosten:
rund 2500-2600 DM/m2.
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Innenwände mit sichtbarem Holzgebälk und Holzdecken: Kosten:
rund 2700-2800 DM/m2.
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gesamtes Innenfachwerkholz sichtbar, mondphasengeschlagenes,
über 800 m hoch gewachsenes Holz, dem Wetter ausgesetzte
Holzteile in Lärchenholzausführung. Kosten rund 3100-3300
DM/m2.
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An erster Stelle sollte die Qualität stehen, nicht nur für das
Leben und Wohnen, sondern auch für ökologische und
wirtschaftliche Aspekte der Ausführung, z.B. die Hausstellung
zur Aufnahme von Sonnenenergie. Dabei ist zu bedenken, daß
neben den Baukosten auch Wartungs-, Energieverbrauchs- und
Reparaturkosten entstehen. Deshalb vertrete ich zu Fragen der
Technik im und am Haus den Grundsatz : "So wenig wie möglich,
so viel wie gerade nötig".

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Michael Nothhelfer

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