
In Sorsum, nicht weit von Hannover, entstand 1997 ein Waldorfkindergarten.
Er hat einen grünen Pelz, der im Sommer ein unangenehmes Aufhitzen
verhindert und im Winter Schutz gegen Wind und Kälte bietet. Um die Akustik zu verbessern,
wurde ein neuentwickelter Lehmstein verwendet. Das Gebäude weist einen Niedrigenergiehausstandard
auf und zeichnet sich durch seine besondere ökologische Bauweise aus. Die reinen Baukosten
betragen 2114 DM/m2 Nutzfläche.

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Räumliches Konzept

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Die drei Gruppenräume des Kindergartens (Abb. 1) sind um eine zentrale Mehrzweckhalle
angeordnet und nach Osten, Süden bzw. Westen orientiert. Sie sind jeweils
von zwei Lehmkuppeln überdacht, die sich an einer bogenförmigen Öffnung treffen (Abb. 2).
Dadurch entsteht eine Zweiteilung des Raumes in eine Hälfte für Bewegungsspiele
und eine zweite Hälfte für Sitz-, Koch- und Bastelaktivitäten. Die Mehrzweckhalle
ist von einer Lehmkuppel überdacht, die 11 m im Durchmesser mißt, 7 m hoch ist und auf
acht Halbkreisbögen ruht. Unter einem Bogen ist eine Bühne angeordnet, die übrigen Bögen bilden
eine Verbindung zum Umgang, so daß die 70 m2 große Halle bei Bedarf um circa 100 m2 erweitert werden kann (Abb. 3).

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Konstruktion

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Das Haus ist als Energiesparhaus geplant. Die Außenwände sind aus 49 cm dicken
porosierten Leichtziegeln gemauert, während die Innenwände aus 24 cm dicken,
statisch belasteten Lehmsteinwänden bestehen. Die Lehmgewölbe der Gruppenräume
sind aus 20 cm dicken keilförmigen Lehmsteinen errichtet, das Gewölbe über der
Mehrzweckhalle ist aus 30 cm dicken Lehmsteinen gemauert. Die Kuppelgewölbe
wurden mit einer vom Forschungslabor für Experimentelles Bauen der
Universität Kassel weiterentwickelten Rotationslehre errichtet. Die
Querschnittsform stellt eine statisch optimierte Kurve dar, die so gewählt wurde,
daß in der Kuppel weder Ringzugkräfte noch Ringdruckkräfte auftreten1. Es können
also, ohne daß statische Probleme auftreten, Fenster und Türenöffnungen in die
Kuppel "geschnitten" werden. Die Kuppeln wurden ferner so ausgebildet, daß keine
Ringzuganker notwendig werden, denn die Kräfte werden direkt in die Streifenfundamente
eingeleitet. Somit ergibt sich eine konstruktiv sehr einfache und kostengünstige Lösung.

Die Kuppeln wurden gleich nach dem Errichten mit einer verschweißten Bitumendachbahn wetterfest
eingepackt. Darauf liegt eine 20 cm starke Wärmedämmschicht, die von einer 2 mm dicken
PVC-freien heißluftverschweißten Dachhaut abgedeckt ist. Eine 15 cm Leichtsubstratschicht
dient als Dachdeckung und als Grundlage für eine Wildgräser-Wildkräuter-Begrünung. Die im
Eingangsbereich liegenden Räume für Personal, Büro, Teeküche und Werkraum sind durch
kuppelförmige Holz-Hogan-Dächer abgedeckt, alle Fenster- und Türrahmen sind aus Holz gearbeitet.

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Raumklima

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Das Gründach bietet einen guten Schallschutz und eine sehr gute Wärmedämmung.
Im Winter hält es wie ein dichter Pelz das Gebäude warm, im Sommer
verhindert es ein übermäßiges Aufheizen des Daches und schafft selbst bei extremer
Außentemperatur eine angenehme Innenraumtemperatur. Zur Qualität des Innenraumklimas
tragen auch die Lehmsteine wesentlich bei: Bei hohen Raumluftfeuchten von über
50 % nehmen sie Feuchtigkeit auf. Sinkt die Raumluftfeuchte unter 50 %, so geben
sie diese wieder ab. Messungen der Universität Gesamthochschule Kassel ergaben,
daß ungebrannte Lehmsteine aus der Ziegelei, sogenannte Grünlinge, bis zu fünfzigmal
mehr Feuchtigkeit aus der Luft absorbieren können als gebrannte Vormauerziegel2.
Messungen in anderen modernen Lehmhäusern belegen, daß die Raumluftfeuchte dort das ganze
Jahr über nahezu konstant 50 % beträgt und nur um wenige Prozente schwankt. Das bedeutet,
daß Lehmwände und Lehmkuppeln ein ideales Feuchteklima schaffen und somit im Winter vorbeugend
gegen Erkältungskrankheiten wirken können, was vor allem für sehr Kinder wichtig erscheint.
Um die bei Kuppelbauten häufig auftretende und als unangenehm empfundene fokussierende Wirkung von
reflektierten Schallwellen weitestgehend auszuschließen, wurden fünf Maßnahmen getroffen:

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Erstens wurden besonders geformte Lehmsteine verwendet, deren Kanten stark abgerundet
sind, so daß dort ein Schallstreueffekt auftritt. |
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Zweitens wurden alle Fugen mit der Kelle
"ausgeschnitten", so daß sie schallschluckend wirken.
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Drittes wurde eine spezielle Gewölbegeometrie gewählt,
die nicht kugelförmig ist, also keinen "Brennpunkt" hat, sondern unterschiedliche Krümmungsradien in den einzelnen Schichten aufweist, so daß vom
Mittelpunkt ausgehende Schallwellen nicht dorthin zurückgeworfen werden.
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Viertens wurden die Lehmsteine um 10 Grad gegenüber der
Normallage nach außen geneigt, so daß sie im unteren Bereich auskragen und den Schall nach oben reflektieren.
Auf Grund der Auskragung der unteren Kante wird die erste Lochung des Steines sichtbar, der dort eindringende Schall somit geschluckt.
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Die Belichtung der Kuppelräume erfolgt in erster Linie über Lichtkuppeln,
die in Verbindung mit dem hellen Lehmkuppelmauerwerk für eine gleichmäßige
diffuse Ausleuchtung des Raumes sorgen. Die Gruppenräume weisen außerdem
zwei Fenstertürelemente auf, die eine optische und physische
Verbindung zum vorgelagerten Spielhof und Garten schaffen.

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Baukosten

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Die relativ niedrigen Baukosten konnten durch folgende planerische Maßnahmen erreicht werden:
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Verzicht auf Unterkellerung,
dafür Kellerersatzräume (circa. 50 % Einsparung pro m2)
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Verzicht auf Beton-Bodenplatte,
dafür Schotter als kapillarbrechende Schicht
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konzentrierte Grundrißanordnung. Oberlichter ermöglichen eine
ausreichende Belichtung und eine zusätzliche Energieeinsparung
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Verzicht auf Putz bei sämtlichen Kuppelflächen
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Verzicht auf Putz bei den Lehm-Innenwänden
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Verzicht auf farbige Behandlung der
Holzkonstruktion und der Holzverschalung
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Verzicht auf farbige Behandlung der zentralen Lehmkuppel
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Verzicht auf große Glasflächen. Die Oberlichter bringen etwa
viereinhalbmal soviel Licht wie gleich große ebenerdige Fenster.

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Daten

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Entwurf: Gernot Minke mit Christian Balcke, Kassel

Ausführung, Bauleitung: Gernot Minke mit Tobias Weyhe

Mitarbeiterinnen: Hannah Davies, Claudia Herschelmann

Umbauter Raum: 3326 m3

Nutzfläche: 595 m2

Reine Baukosten: 1.258.000 DM

Davon Eigenleistungsanteil ca. 58.000 DM

Reine Baukosten/m3 umbauter Raum: 378 DM

Reine Baukosten/m2 Nutzfläche: 2114 DM
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Gernot Minke

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Anmerkungen

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1 |
Näheres hierzu in: G. Minke: Lehmbau-Handbuch. Der Baustoff Lehm und seine Anwendung.
Ökobuch-Verlag Staufen; 3. erweiterte Auflage 1997, S. 230-238 u. 249-250
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2 |
Ebenda, S. 20-24

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