SCHÖNHEITSKUR FÜR INNENRÄUME

Wenn Bauarbeiter Wände versetzen, Bäder, Duschen oder moderne Heizungen einbauen, heißt das Modernisierung. Doch da diese Verschönerungsarbeiten häufig mit umweltbelastenden, teils auch gesundheitsschädigenden Stoffen durchgeführt werden, bleibt die Natur dabei meist vor der Tür. Eine Zunahme allergischer Reaktionen bei den Bewohnern solcher Gebäude oder Räume ist die Folge. Immer mehr Hausherren und Mieter möchten aber höheren Wohnkomfort nicht mit Atemnot, Hauterkrankungen und anderen allergischen Reaktionen erkaufen. Sie bevorzugen für die attraktive Ausstattung ihrer vier Wände wohngesunde Materialien. Diesem Trend entspricht die beispielhafte Sanierung von drei Altbauwohnungen in Berlin-Neukölln.

Als die KirchBauhof gGmbH Anfang 1997 den Auftrag zum Innenausbau von Wohnräumen in der Heidelberger Straße mit ökologischen Baustoffen übernahm, wurde auf Wunsch des Hausherrn mit einer grundlegenden Runderneuerung begonnen. Zunächst wurden Elektroleitungen und belastete Bodenschüttungen entfernt, in einer Wohnung auch der alte Putz von den Wänden geklopft. Ebenso wurde die gesamte Unterkonstruktion im Deckenbereich erneuert, wobei auf Brettern befestigtes Schilfrohrgewebe als Haftung für den Deckenputz diente. Danach wurde auf Wände und Decken komplett ein zweilagiger faserarmierter Lehmputz aufgebracht, wobei in rißgefährdete Putzbereiche Jutefaser als zusätzliche Armierung eingelegt wurde. Auf der Innenseite der Außenwände befestigte Schilfrohrplatten sorgen für zusätzliche Wärmedämmung und sind zugleich ein optimaler Grund für den Lehmputz. Zuletzt erhielten die lehmverputzten Wände und Decken einen Anstrich mit Silikatfarbe, die die Atmungsfähigkeit der lehmverputzten Bauteile nicht beeinträchtigt.

Bei zwei weiteren Innenausbauprojekten, die von KirchBauhof realisiert wurden, handelte es sich um konventionell gebaute Berliner Kindertagesstätten, die zur Verbesserung des Raumklimas und aus ästhetischen Gründen in einigen Spielräumen lehmverputzte Wandflächen erhielten. In diesen Räumen fühlen sich nicht nur die Kinder und Erzieher heimisch, auch Architekten und Bauherren, die sich während des Ausbaus von den Vorzügen des Lehms überzeugen konnten, waren positiv überrascht.


Lehmbaustoffe in der städtischen Altbausanierung

Die Erfahrungen beim Innenausbau städtischer Gebäude mit Lehmbaustoffen zeigen, daß Lehmputz mit seiner feuchtigkeitsregulierenden Wirkung eine relativ konstante Innenluftfeuchtigkeit erzeugt und damit das Raumklima verbessert. Lehmputz schafft nicht nur Wohnbehaglichkeit und ästhetischen Genuß, sondern bindet auch Staub und Gerüche.

Lehmbaustoffe für den Innenausbau im städtischen Raum müssen einfach aufzubereiten und jahreszeitlich unabhängig zu verarbeiten sein. Da Naßlehmtechniken nur unter bestimmten Voraussetzungen zur Anwendung kommen können, sind qualitativ gute Lehmfertigprodukte die beste Lösung. Wer an eine Modernisierung seiner Wohnräume mit Lehmbaustoffen denkt und nicht selbst über das nötige Wissen und Können verfügt, kann sich beraten lassen. Noch ist das Angebot in unserer Region übersichtlich. In Frage kommen Beratungsfirmen, erfahrene Bauausführungsbetriebe, auf ökologische Baustoffe spezialisierte Händler, aber auch Architekten und Planer.

Für den städtischen Bereich besonders geeignete Lehmbaustoffe sind

Massiv- und Leichtlehmsteine unterschiedlichen Formats und Gewichts für die Errichtung von Zwischenwänden oder Lehminnenschalen von Außenwänden;
Lehmbauelemente unterschiedlichen Formats. In der Regel sollen sich diese Elemente mit Verbindungssystemen und wenig Aufwand – z.B. ohne Mörtelfugen – zu größeren Wandbauteilen zusammenfügen lassen;
Lehmbauplatten. Von diesem Baumaterial gingen neue Impulse auf den ökologischen Trockenbaumarkt aus. Wer bei der Sanierung auf Gipsplatten, Mineralfaserdämmung und Metallständerwerk zur Errichtung von Innenwänden, Vorsatzschalen, Wand- und Deckenverkleidungen verzichten will, kann nun auf ein nahezu komplettes Sortiment von Naturbaustoffen zurückgreifen.

Schwerere Wandaufbauten sind möglich, wenn z.B. statt der Dämmung Lehmsteine in reiner Stapelbauweise, also trocken, als Masse in den Zwischenraum eingebracht werden und eine Verkleidung mit Lehmbauplatten erfolgt.

Die Lehmbauplatte ist 150 x 62,5 cm groß und 25 cm stark; die Kanten sind stumpf ausgebildet. Ihre Bestandteile sind Lehm und Ton, pflanzliche oder mineralische Leichtzuschläge, Stroh, Schilfrohr und Jutegewebe. Eine einfache Verschraubung mit der Holzkonstruktion macht die Verarbeitung leicht, Stöße können mit Gewebe überdeckt oder mit Lehmputz ausgeglichen werden, denn die Platte ist ein idealer Putzträger.

Auch das Angebot an Naturdämmstoffen ist umfangreicher geworden. Neben der Zellulosedämmung sind mittlerweile auch Flachs- oder Hanfmatten oder Schafwolle im Handel erhältlich. Überhaupt lassen sich je nach Geldbeutel und Bereitschaft zur Eigenleistung mit Lehmbaustoffen sehr unterschiedliche Wandaufbauten realisieren. Als Träger für Lehmputz sind natürlich auch Baustoffe wie Gips- oder Schilfrohrplatten, Mauerwerk- oder Betonwände, Holzplatten u.v.a. geeignet.

Lehmputz wird als Sackware angeboten und muß mit Sand abgemagert werden. Dem Untergrund und der Putztechnik entsprechend wird Unterputz bei einem zweilagigen Aufbau mit Zuschlagstoffen wie Strohhäcksel oder feinen Holzfasern versehen. Der Oberputz erhält eine Struktur und Farbe nach den Wünschen des Bauherrn. Die Grundmischung kann beispielsweise aus Tonmehl, gesiebtem Kies oder Quarzsand bestehen, zum Teil mit einem Zusatz von Marmormehl.

Mit dem Putz zu vermischende Farbpigmente im Gelb-Rot-Bereich sind Erd- und Oxydfarben. Natürliche warme, sehr ansprechende Töne fördern die Entwicklung farbiger Lehmputze. So wird inzwischen eine breite Skala farbiger Lehmputze von Firmen in Berlin oder vom ökologischen Baustoffhandel angeboten. Zu nennen sind Beispiele wie Iquitos-Grün, Djenne’-Rot, Römisch-Ocker, Apricot, Elfenbein-Weiß oder Lachs.

Verschiedene diffusionsfähige Wandfarben auf mineralischer oder Silikatbasis, aber auch klassische Kalkanstriche runden die Möglichkeiten der Oberflächengestaltung bei Lehmputzwänden ab. Auch hier können durch unterschiedliche Farbpigmentierungen auf mineralischer oder pflanzlicher Basis individuelle Farbwünsche erfüllt werden.

Vielversprechend für die Verbreitung des Lehminnenausbaus in unserer Stadt ist die Tatsache, daß die Gemeinnützige Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft (GSW) in Berlin im „Öko-Block" der gerade entstehenden Heinrich-Böll-Siedlung an der Schillerstraße in Pankow alle Wohneinheiten mit Lehm verputzen läßt.

Zu wünschen ist, daß dieses Beispiel Schule macht und künftig weitere Wohnungsbaugesellschaften, aber auch Schulverwaltungen, Ratsherren und Unternehmer in ihren Gebäuden für eine gesunde Atmosphäre zum Wohnen, Lernen und Arbeiten sorgen.


Jörg Depta

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