
Umbau der Dorfschule von Heiligenthal bei Lüneburg

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Lehmhäuser sind wohngesund und familienfreundlich, und sie können durch Anbau, Ausbau oder
Umbau mitwachsen, wenn eine Familie Zuwachs bekommt. Ein wahres
Schul-Beispiel dafür ist der Umbau der alten Dorfschule in Heiligenthal
bei Lüneburg. Als das 1903 errichtete Gebäude den Lernenden nicht mehr
genug Raum bot, stiegen ihm Bauherren aufs Dach und bauten es aus.
Seit 1996/97 vollzog sich die Umwandlung des Schulhauses in ein schmuckes
Wohnhaus mit Ziegelsichtmauerwerk (RF), Satteldach und S-Pfannendeckung.

Im Erdgeschoß blieb der Grundriß, der den Bedürfnissen der künftigen Bewohner entsprach,
weitgehend erhalten, auch alle mit Kalk gemauerten und geputzten
Ziegelwände. Dachgeschoß und Spitzgiebel, ursprünglich als Speicher mit
einer Stube zum Giebel und einer Räucherkammer genutzt, wurden neu
strukturiert. Zwar waren dort bereits in den achtziger Jahren zusätzliche
Wohnräume, Bad und Küche entstanden, doch das seinerzeit verwendete
Material (Rigips und Glaswolle) ermöglichte nur eine unzureichende
Wärme-/Kältedämmung. Auch war die Dichtung des Badfußbodens völlig
ungenügend

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Innenausbau mit Lehm - eine Baubeschreibung

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Für die Neugestaltung entfernten wir die ehemaligen Einbauten, stellten
zunächst Streben, Zangen, Kopfbänder und andere Teile des Dachstuhls
wieder her und errichten zwei lange Schleppgaupen. Danach bauten wir die
Dachflächen aus und dämmten die Giebelwände dem heutigen Kenntnisstand der
Bauphysik und den Anforderungen der Dämmung entsprechend (sommerlicher und
winterlicher Wärmeschutz) von außen/oben nach innen:

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Deckung mit den vorhandenen handgestrichenen S-Pfannen
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Lattung und Konterlattung
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Unterdach aus paraffinierten Holzweichfaserplatten (Gutex)
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Isofloc in Sparren/Bohlenstärke 16 cm
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Schalung dicht bei dicht
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Windpapier fugendicht verklebt (Proclima unter 2 m SD/äquivalente Luftschichtdicke)
HWL-Platte 30 mm als Putzträger und "schwere" Dämmung (Heraklith M - magnesitgebunden)
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Da wir nicht nur ein Heim schaffen wollten, sondern es auch wohngesund und behaglich
wünschten, setzten wir für die Innengestaltung als Baustoff Lehm ein. Die
Ausführung in drei Arbeitsgängen erfolgte in traditioneller Technik, wobei
wir die Eigenschaften des Lehms durch Zugabe von Pferdemist wunschgemäß
beeinflußten:

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1. |
Die Lehmschlämme strichen wir dünn mit der Bürste vor oder spritzten sie teilweise maschinell mit dem Putzmeister.
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2. |
Unterputz 15 mm im
Mittel: EIWA-Lehm + 2 Teile scharfer Sand + 3 Hände Strohhäcksel je
100-l-Mischer + Wasser - Jutegewebe 5 x 5 mm Maschenweite vollflächig mit
Überdeckung eingearbeitet, ebenfalls mit dem Putzmeister gespritzt, mit
Kartätsche und Brett abgezogen. Danach hielten wir je nach Witterung eine
Trockenzeit von drei bis vier Wochen ein.
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3. |
Feinputz 10 mm und
mehr: EIWA-Lehm und 3 Teile Sand + Flachshäcksel + eine Schaufel
Pferdeäpfel je 100-l-Mischer - Vornässen mit der Bürste. Der Auftrag
erfolgte großflächig mit der Spritze, kleine Flächen per Hand, z.B. bei
Fenster-, Wand- und Balkenanschlüssen, Abziehen mit der Kartätsche. Für das
Feinausreiben der schrägen Flächen verwendeten wir Schwammbretter, für
senkrechte Flächen Reibebretter, wobei wir je nach Art des Auftrags
unterschiedliche ästhetische Wirkungen erzielten.
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Einsatz und Kosten

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An Arbeitskräften planten wir: ein Mann am Mischer/Putzmeister, ein
Mann an der Spritze, fünf bis sechs Frauen oder Männer an Brett und
Kartätsche. Mittendrin waren zudem unsere Kinder als künftige
"Bauherren" mit einem eigenem Mischkübel beschäftigt. Bei der
Ausführung erwies sich, daß Frauen mit dem Material geschickter und
selbständiger umgehen, da sie besonders für den Feinabrieb und das
Herstellen von Rundungen an den Fensterlaibungen ein besseres
Feingefühl besitzen. Mit Arbeiten an Schrägen, Decken und Wänden
(etwa 480 m2) waren fünf, oft sechs Arbeitende etwa 240
Stunden beschäftigt. Für das Auf- und Abbauen des Putzmeisters
hatten wir 350 DM zu verbuchen, für das Vorhalten 150 DM/Tag,
jeweils plus Mehrwertsteuer.

Die Trennwände wurden aus 10 cm Karphositplatten gesetzt und vollflächig
geputzt, da das sichtbare Plattenformat und die Farbe nicht unseren
ästhetischen Ansprüchen entsprachen. An Decken und Wand-Xseln (d.h.
Ecke Wand/Wand oder Wand/Decke) waren erhebliche Nacharbeiten auszuführen,
weil der Lehm durch Nachtrocknen der Hölzer sein Schwindmaß erreicht hatte. Vorzüglich standen dagegen die Dachflächen, dort hatten sich nur an wenigen Stellen, wo das Jutegewebe nicht ausreichend überlappte, Schwindrisse gebildet.

Die Giebelwände dämmten wir mit Heraklith - in den Abseiten und
Spitzgiebeldreiecken mit 100 mm, da diese nur 25er Wandstärke haben. Die
Platten setzen wir vollflächig mit Kalkmörtel an - zwecks kapillarem
Wasserdampftransport bei Innendämmung und mit Kalk statt Lehm wegen der
festeren Verbindung zum Ziegelmauerwerk - und verputzten sie wie die
Dachflächen mit Lehm.

Der Anstrich erfolgte mit Kalkkasein (Fabrikat "Kreidezeit"), der
Voranstrich stark beanspruchter Kanten mit Kaliwasserglas oder mit
Quark/Borax-Anstrich (5 kg/20 g). Im Sinne einer harmonischen
Gesamtwirkung gestalteten wir den Schornstein, eine Wand im Treppenhaus
und andere Details in warmen Lehmfarben. Als eine der erfreulichen
Überraschungen empfanden wir die physikalischen Eigenschaften von Lehm,
seine angenehme warme Ausstrahlung. Davon sind auch Besucher beeindruckt,
denen die geschmackvolle Atmosphäre einen Zugang zu diesem natürlichen
Baustoff vermittelt.

Wir, die Bauherren und Bewohner, konnten mit einem hohen Anteil an
Eigenleistung positive Erfahrungen bei der diesem Umbau sammeln. Wir
würden jederzeit wieder mit Lehm arbeiten. Uns hat es nicht nur das
angenehme Material angetan, seine geschmeidige Verarbeitung, die Freude
am Gelingen der Hand-Arbeit, sondern auch die Möglichkeit, Kinder in den
Bauprozeß einzubeziehen. Wir fühlen uns in unserem Haus wohl.

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Bauherren: |
Birgit und Frank Patt; Ute und Klaus Klingberg-Stunk
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Firmen: |
Lehmbau Holz & Lehm/Rübsam-Wassong/Vierhöfen
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Akka/Schmidt/Mechtersen (Isofloc)
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Zimmerarbeiten: |
Klappstein/Metzingen
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Dachdeckerabeiten: |
Lübberstedt/Kirchgellersen
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| Bauphysik: |
Manfred Drach/Berlin
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Statik: |
Ottfried Behrend/Lüneburg
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Architekt: |
Rudolf Höll/Berlin
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Rudolf Höll

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