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Ich kann nicht behaupten, ich hätte jahrelange Erfahrungen mit dem Wellerbauverfahren.
Aber in meiner Architektenkarriere war die Bewahrung der Tradition immer verpflichtend
für mich und ebenso die Erhaltung bestehender Gebäude. Auf Lehmbauwerke wurde ich allerdings
erst in den letzten fünf Jahren aufmerksam.

Den größten Teil meiner Erfahrungen verdanke ich Gordon Pearson und seinem grundlegenden Werk "Conservation
of Clay and Chalk Buildings"1 sowie dem umfassenden historischen und praktischen Wissen der
Mitglieder der Devon Earth Building Association (DEBA)2, vor allem Larry Keefe. Die DEBA und English Heritage3
unterstützen die Universität Plymouth bei der Einrichtung eines interdisziplinären Forschungsprojekts mit den Zielen: Verbesserung der
wissenschaftlichen und technischen Kenntnisse über das Baumaterial Lehm; die Verbreitung dieses Wissens in Kursen, Konferenzen
und mit Veröffentlichungen; Sensibilisierung der Öffentlichkeit für das Baumaterial Lehm.

Für diese Ziele engagieren sich Fachleute und Enthusiasten, zu viele, um sie alle zu nennen. Erwähnt sei aber, daß das Forschungsprojekt
als Folge seiner Finanzierung durch das British Council4 die sehr hilfreiche Unterstützung durch Myriam Olivier und Ali Mesbah von der
Ecole National des Travaux Publics de l'Etat (ENTPE) in Lyon/Frankreich fand.

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Das Baumaterial

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Die meisten überkommenen englischen Lehmbauwerke wurden in einem Verfahren errichtet,
bei dem ausgehobener Unterboden - die Materialschicht unter dem Mutterboden und über dem
Muttergestein - neben dem Baugrund auf dem Erdboden mit Zuschlägen faseriger Materialien
gemischt wird. Dieses Gemisch wird ohne Schalung zu einer Wand aufgeschichtet, um eine monolithische,
lasttragende Konstruktion zu schaffen. Dieses Verfahren wird im Englischen oft als "cob" bezeichnet,
aber es gibt weitere englische Bezeichnungen, z.B. heißt es in Cornwall "clob" und in Brickingham "wychert".5

Nach unserem gegenwärtigen Wissensstand über das Wellerbauverfahren muß das ausgehobene Erdreich gründlich gemischt
werden, damit sich seine Bestandteile gleichmäßig verteilen, die zudem gut aufeinander abgestimmt sein müssen.
Es besteht Übereinstimmung darüber, daß die Mischung im richtigen Verhältnis die größten Bestandteile, Kies mit
50 mm Durchmesser, feinere Kiese und Sande und Schluff enthalten sollte. Der Sand füllt die Hohlräume zwischen dem
Kies, Schluff, der noch feiner ist, alle restlichen Lücken. Die Rolle als Binder übernimmt der im Boden vorhandene Ton.6
Als eine gute Mischung wird ein Verhältnis von 30-40 % Kies, 25-30 % Sand, 10-20 % Schluff und 10-25 % Ton angenommen.7

Weil die Zusammensetzung des Unterbodens und damit die lastabtragende Leistungsfähigkeit der Wände von Ort zu Ort wechselt, mußte dies bei der
Konstruktion der Gebäude berücksichtigt werden. Die Denkmalpfleger müssen diese Unterschiede kennen, um die Beständigkeit
des Materials begutachten, geeignete Konservierungsverfahren entwickeln und auch das Material für Neubauten bestimmen zu können.

Beim Mischen wird dem ausgehobenen Unterboden Wasser zugesetzt. Wasserzugabe schlämmt den Ton auf und gewährleistet so, daß er die übrigen
Bestandteile umschließt.8 Das zuzusetzende Volumen wird heute vom jeweiligen Lehmbaufachmann vor Ort bestimmt und hängt
von den bereits im Boden vorhandenen Wasseranteilen ab. Einige Experten ziehen es vor, große Mengen zuzusetzen und
das Material trocknen zu lassen, ehe sie es auftragen, während andere eine trockenere Mischung vorziehen, um eine Verzögerung
beim Bauen zu vermeiden. Die Kenntnis der idealen Zusammensetzung kann sich nur durch Erfahrung entwickeln und ist letztendlich
ausschlaggebend für die Leistungsfähigkeit der Wellerwand.

Während des Trocknungsprozesses verdunstet der größte Teil des dem Gemisch zugesetzten Wassers. Die Wand trocknet aber nie vollständig aus. Peter
Trotman hat gezeigt, daß der Feuchtigkeitsgehalt in Abhängigkeit von im Gemisch enthaltenen Salzen zwar schwankt, auf niedrigem Niveau
aber immer erhalten bleibt.9 Die interne und externe relative Luftfeuchtigkeit beeinflußt die Feuchtigkeit in einer Wand
mit poröser Oberfläche natürlich ebenfalls.10

Allgemein wurden dem Gemisch - wie erwähnt - Faserstoffe zugegeben, obwohl auch Wände ohne Fasermaterialzuschlag bekannt sind. Als
Fasermaterial wurde meist Gerstenstroh verwendet, weiterhin aber auch Hafer, Tierhaar, Heidekraut, Moos, gehäckselte Binsen, Heu,
grobes Gras, Äste, Ginster, Flachs, Segge, Quecke, Gras und Wiesenkerbel.11 Die Fasern gewährleisten das gleichmäßige Abtrocknen des
Materials, so daß keine großen Schrumpfungsrisse entstehen. Zudem unterstützen sie den Mischprozeß und die konstruktive und thermische Leistung der Wand.

Die gegenwärtige Forschung belegt, daß für einige Wellerbauwerke der Unterboden direkt an der Baustelle entnommen wurde, etwa beim
Anlegen der Fundamente, Kellergeschosse oder von Teichen. Jedenfalls schienen die Lehmbauer früher die optimale Mischung gut
gekannt zu haben, da sie Böden verschiedener Fundorte auswählten12 oder auch miteinander zu mischen wußten13. Übrigens ist das Mischen
einer ausreichenden Materialmenge ein ermüdender und kreuzschädigender Vorgang, wenn dafür nicht Tiere oder Maschinen eingesetzt werden können. Alfred
Howard mischte erfolgreich große Mengen Strohlehm mit Hilfe von Rindern, und Kevin McCabe benutzte dafür einen Traktor.

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Bauweise und Konstruktion

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Ist eine geeignete Mischung hergestellt, kann sie auf die Wand aufgetragen werden.
Üblicherweise wurde die Wellerwand auf einem Sockel aus Mauerwerk errichtet, der aus am Ort gefundenen
großen Steinen gebaut sein kann. Gelegentlich werden aber auch sockellose Wände gefunden. Die Höhe der
Sockel schwankt zwischen 450 mm und einem ganzen Geschoß. Der Sockel verhindert aufsteigende Nässe und
hebt die Lehmwand aus dem Spritzbereich des vom Dach tropfenden Regens.

Wellerwände finden sich auch als schmales Band hoch oben auf Mauerwerkswänden, möglicherweise eine Technik,
die Wand zu erhöhen, wenn Dächer verändert wurden. Eine andere Erklärung dafür ist, daß es einfacher war,
um die Dachkonstruktion herum mit Strohlehm statt mit Mauerwerk zu bauen. Die Breite der Wellerwände schwankt
ebenfalls, jedoch sind sie i.d.R. 900 mm dick.

Die Wellerbauwerke wurden in den späten Frühjahrs- und in den Sommermonaten errichtet, wenn trockenes
Wetter herrschte. Alfred Howard hat auf die Redensart hingewiesen, "Mit Strohlehm sollte nur gebaut
werden, wenn die Schwalben da sind." Bei feuchtem Wetter zu bauen, ist ungünstig. Traditionelle
Lehmbauer nutzten den Winterfrost, um stark lehmhaltige Böden vor Beginn der Arbeiten im nachfolgenden Frühjahr auszuheben.14

Es war möglich, die Wände in einer Saison auf die volle Höhe zu bringen, so daß das Dach vor dem Winter errichtet werden
konnte.15 Die Wellerbauer arbeiteten in Gruppen von mindestens zwei Personen. Oft waren es Landarbeiter,
die während ihrer jährlichen Saisonarbeit bauten. Die Dokumente belegen regionale Unterschiede im Bauvorgang und bei
der Auswahl der Arbeitskräfte. Das feuchte Material wurde mit Forken auf die Wand aufgebracht.16 Anschließend wurde es
durch das Gewicht einer auf der Wand stehenden Person verdichtet, die zudem durch Klopfen mit der Ferse auch die Wandseiten glättete.

Diese Methode der Verdichtung durch Herumstampfen auf der Wand erklärt auch die großzügige Dimensionierung der Wellerwände. Wichtig war, daß
der aufgebrachte Strohlehm die Außenfläche des Steinsockels überragte. Die Aufschichtung der Wand ging weiter, bis eine bestimmte
Höhe erreicht war. Sie schwankte, möglicherweise als Folge der Feuchtigkeit des Gemischs und der daraus resultierenden baulichen
Stabilität, aber die Höhe einer Lage hing auch von der Verfügbarkeit des vorbereiteten Materials ab, von der Arbeitszeit,
vom Wetter und von der Tradition.

Die fertige Lage wurde während des Trocknens durch eine Strohschicht gegen Regen geschützt.17 Die Trockenzeit hing vom Klima
und von der Feuchtigkeit des Gemischs ab. Die nächste Lage konnte erst aufgebracht werden, wenn die zuletzt aufgebrachte getrocknet war.

Wie der Stampflehmbau führt auch der Wellerbau zu einer monolithischen lasttragenden Wand, er braucht aber keine Schalung. Zudem ist das Gemisch
feuchter und enthält Fasermaterial. Das Glätten der Wellerwand auf beiden Seiten erfolgte nach der Trocknung mit einer Vielfalt von Werkzeugen
durch Abschlagen, Abhacken, Abschneiden usw. der überstehenden Teile.18 Die Lehmbauer waren in der Lage, eine glatte senkrechte Oberfläche in
der Flucht des Sockels herzustellen. Ohne Schalbretter gebaut, haben die Wände keine scharfen Kanten an den Ecken oder Öffnungen. Die verlaufenden
Übergänge an den Verbindungsstellen und die charakteristische geglättete Oberfläche der Wellerwände gibt den Wellerbauten ein unverwechselbares Aussehen.
Es wird als organisch, handgearbeitet und einzigartig beschrieben. In einer Zeit, die von geraden, klaren, maschinell gefertigten Gebäudekomponenten geprägt
ist, erfreut man sich an diesen Bauwerken.

Öffnungen in den Wellerwänden ließen sich problemlos unter Einsatz von lastabtragenden Sturzbalken herstellen. Im allgemeinen wurden die Stürze als paarweise eingesetzte
Balken mit beidseitig großzügig bemessenem Auflager ausgeführt. Fenster- und Türöffnungen wurden entweder hergestellt, indem ihre mit
Verankerungen versehenen Rahmen während des Bauvorganges in die Wand eingefügt wurden.19 Alternativ wurden auch Rahmen und Anker einzeln
eingearbeitet und erst nach Trocknen der Wand miteinander verbunden. Es wurden auch Holzlatten in die Wand eingearbeitet, um die
Befestigung von Holzbauteilen wie Scheuerleisten oder Bilderschienen zu ermöglichen. Ähnlich lassen sich die Balken für die Dachkonstruktion
und, bei mehrgeschossigen Gebäuden, für die Zwischendecken in die Wellerwände einbauen.

Als Dachform finden sich allgemein Walm- und Krüppelwalmdächer, weil sich der Wellerbau für die Konstruktion von Giebelwänden schlecht eignet. Traditionell wurde das Dach mit
Stroh, Reet oder anderen organischen Materialien gedeckt, die die baulich notwendigen breiten Dachtraufen garantieren - entscheidend für den Schutz
der Wandoberflächen vor starkem Regen. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist die beschleunigte Zerstörung oder Beschädigung vieler Wellerbauwerke
auf unsachgemäße Veränderungen der Dachabdeckungen, bei denen der Dachtraufenüberhang verringert wurde, zurückzuführen.

Zusätzlich zu dem Schutz, den das Dach bietet, erhalten Wellerwände sowohl innen als auch außen eine Oberflächenbehandlung. Dafür wurde ein Putz auf Lehmbasis verwendet,
der aus gesiebtem Lehm mit Tierhaar- oder Feinstrohzuschlag besteht. Wo Kalk verfügbar war, wurde er verwendet, um die charakteristische weiße Farbe zu erreichen,
die heute oft mit Wellerbauwerken verbunden wird. Ton- oder Kalkputze wurden direkt auf die Wellerwand aufgebracht, möglichst nach dem Befeuchten der Oberfläche,
was die Haftung verbessert. Sowohl der Lehm in der Wand als auch Lehm- oder Kalkputze sind porös und ermöglichen ein Atmen der Wände. Diese Zusammenhänge sind jedoch noch
nicht vollständig erforscht oder wissenschaftlich untersucht. Noch ist es üblich, die originalen und kongenialen Oberflächenmaterialien durch undurchlässige Produkte auf Zementbasis
zu ersetzen, die zudem häufig einen zusätzlichen mechanischen Putzträger benötigen. Untersuchungen geschädigter und eingefallener Wellerwänden ergaben, daß Zementputze wahrscheinlich
die Ursache des Verfalls waren. Ebenso behindern kunststoffhaltige Oberflächen, z.B. Farben, die Atmungsfähigkeit der Wellerwände.

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Der Wellerbau als landschaftsgestaltende Architektur Devons

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Wellerbauwerke finden sich in vielen Ländern. Ich weiß nicht, ob es eine Weltkarte
gibt, die ihre Verbreitung darstellt. Aber ich kenne Beispiele für die Wellerbauweise in
mehreren europäischen Regionen einschließlich der Bretagne, der Normandie, der Vendée und Liore
in Frankreich, Altkastiliens in Spanien, Chietis in Italien und in Südwest-England.

Wellerbau ist das Lehmbauverfahren, in dem eine große Anzahl bis heute erhalten gebliebener Gebäude in Devon
errichtet wurden. Das macht die Wellerbauwerke zu einer wichtigen Komponente der für Devon charakteristischen
Architektur. Ihre genaue Zahl wurde niemals festgestellt, aber wenn man durch diese englische Grafschaft reist,
findet man kaum eine Gegend ohne handgearbeitete Lehmbauwerke.20 Berücksichtigt man die vielfältige Geologie Devons,
so können sich aus ihr Hinweise auf die bewußte Wahl der Wellerbauverfahren ergeben und auf die beträchtliche Fähigkeit
der Lehmbauer, die natürlichen Gegebenheiten zu nutzen.21

Die Erddämme von Devon, auf denen die Straßen verlaufen und die die Felder begrenzen, sind wie die Gehöfte, Weiler und
Dörfer aus Lehm erbaut. Auch einige Städte verdanken viele ihrer Gebäude den Wellerbauleuten der Vergangenheit.
Der Wellerbau ist in Devon geographisch weit verbreitet und ebenso seine Nutzung hinsichtlich der Gebäudetypen. Es finden sich einfachste
landwirtschaftliche Gebäude und ebenso große Häuser und öffentliche Gebäude, die viele architektonische Stile repräsentieren.

Viele Gebäude des Wellerbau-Bestands wurden im Mittelalter errichtet. Allerdings gibt es keine genauen Aufzeichnungen zu ihrer Geschichte.
In Schloß Okehampton wurden beispielsweise dreizehn Wellerbauteile in ebenso vielen Wänden als die Sockel von Wellerbauwänden identifiziert.
Auf Schloß Totnes wurden kürzlich auch Reste eines Taubenhauses in Wellerbautechnik gefunden.22

Gegenwärtig versucht ein Forschungsprojekt an der Universität Plymouth, ein vollständigeres historisches Bild zu gewinnen. Das ist jedoch eine
komplizierte Aufgabe, weil es kaum Aufzeichnungen zur traditionellen englischen Baugeschichte vor dem 18. Jh. gibt. Die Literatur beschränkt
sich vielmehr auf die Architektur der oberen Sozialschichten der englischen Gesellschaft. Auf Druck von Sozialreformern, die versuchten,
die Wohnungen der Landarbeiter zu verbessern, wurde allerdings seit dem späten 18. Jh. viel über den Bau von Landarbeiter-Cottages geschrieben.
In diesen Texten wird Lehm oft als billigere Alternative zu anderen Materialien empfohlen, und es werden geeignete Bauverfahren im Detail beschrieben.23

Noch gibt es keine Methode, Wellerwände zu datieren. Zur Datierung müssen andere Merkmale herangezogen werden, z.B. die Dachkonstruktion. Das ist nicht immer genau,
weil ein Gebäudedach ersetzt werden kann. Dennoch liegt dort, wo die Unterseite des Dachstrohs rauchgeschwärzt ist, wahrscheinlich eine mittelalterliche,
also originale Dachkonstruktion vor.24

Die typologische Verbreitung zeigt, daß der Wellerbau keine auf die Unterklassen beschränkte Bauweise war, sondern in allen gesellschaftlichen Schichten
Akzeptanz fand. Man ist sich darin einig, daß auch solche Bauherren den Wellerbau anwandten, die das Geld hatten, ein anderes Baumaterial zu wählen.
Es konnte bislang nicht ergründet werden, ob der Wellerbau ein "Statusmaterial" war, als das es heute in einigen Ländern, z.B. in Südwestaustralien, angesehen wird.25

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Wellerbau im 20. Jahrhundert

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Die Wellerbauweise wurde in Devon nie völlig aufgegeben. 1910 baute Ernest
Ginson ein Wellerhaus für Kunst und Handwerk in Ost-Devon, zwei Weller-Bungalows wurden
ein Jahrzehnt später in der Nähe gebaut, wahrscheinlich aus Mangel an Arbeitskräften.26
Solange Lehmbauwerke erhalten blieben und instandgehalten wurden, bewahrten die Eigentümer und
Bauhandwerker die dazu erforderlichen Kenntnisse und Fertigkeiten. Alfred Howard erinnert sich mit
57 Jahren an den Lehmbau in seiner Jugend. Diese Erinnerungen ermöglichten es ihm, die ersten
Neubauten in Wellerbauweise in Devon zu errichten, etwa 1970 das Omnibuswartehäuschen in Down St.
Mary, dem ein ähnliches Gebäude in Trusham folgte. Howards Erweiterungsbau von Bushells Cottage
in Down St. Mary wird von vielen Fachleuten und Praktikern als Beispiel für einen Wellerneubau besucht.
Jill Smallcombe baute in ihrem Garten ein Sommerhaus, und Larry Keefe überwachte 1989 den Bau einer
kleinen Wartehalle in Starcross.

Kevin McCabe errichtet seit 1993 eine Reihe von Wellerbauten auf Lower Tricombe Farm. Sie schließen den Umbau eines
vorhandenen landwirtschaftlichen Gebäudes in ein Wohnhaus, ein Brunnenhaus, eine Doppelgarage und eine Werkstatt ein.
McCabes Lehmbaufertigkeiten ermöglichen es ihm heute, die weiteren Möglichkeiten des Wellerbaus zu erkunden.
Von den wenigen Bauhandwerkern in Devon ist er derjenige, dessen Arbeit sich ganz auf Lehmbau konzentriert,
meist auf die Reparatur und Erweiterung vorhandener Gebäude.

Die heutigen Restaurierungstechniken für Wellerbauwerke entwickelten sich aus einer Mischung von gesundem Menschenverstand
und in Versuchen gewonnenen Erfahrungen. English Heritage finanzierte die Reparatur von drei bedeutenden
Lehmbauten in Bowhill, Bury Barton und Cullacot. Die an diesen Projekten arbeitenden Restauratoren und
Bauhandwerker haben dabei beträchtliche Fertigkeiten und Kenntnisse über den Wellerbau erworben.
Leider wurden die Dokumentationen dieser wichtigen Fallstudien nicht veröffentlicht, obwohl sie von
der DEBA als sehr gute Broschüren mit Reparaturanleitungen vorbereitet worden waren.

Die weitere Entwicklung der Forschung zur Förderung von Denkmalschutz und -restaurierung wird von finanziellen Schwierigkeiten
behindert. Auf nationaler Ebene wird die Existenz von bewahrenswerten historischen Lehmbauwerken kaum anerkannt, so daß nur wenig
Unterstützung zu bekommen ist. Noch geringere Akzeptanz findet der Vorschlag, die Wellerbautradition in den entsprechenden Regionen
Englands bereits heute für die Errichtung umweltverträglicher Gebäude zu nutzen. Derzeit ist der Wellerbau in Devon ein nur marginales
Bauverfahren, und noch unbedeutender ist sein Anteil am Neubaugeschehen auf nationaler Ebene. Aber die vorherrschenden Tendenzen zur
besseren Bewahrung der natürlichen Ressourcen, zur Senkung der Umweltverschmutzung und zur Traditionspflege muß schließlich dazu führen,
daß der Wellerbau seine Rolle als Devons vorherrschende Bautechnik zurückerlangt.

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Linda Watson
(aus dem Englischen)

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Anmerkungen

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1 |
G. Pearson: Conservation
of Clay and Chalk Buildings, London (Donhead) 1992
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2 |
Devon Earth Building
Association (DEBA), Lehmbauvereinigung Devon
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3 |
English Heritage, 1984 geschaffene
nationale Institution für Denkmalpflege in England
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4 |
British Council, entspricht dem
deutschen Goethe-Institut und hat vergleichbare Aufgaben
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5 |
Vgl. Pearson
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6 |
Ebenda
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7 |
L. Keefe: The Cob Buildings
of Devon, Devon Historic Buildings Trust 1992
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8 |
Vgl. Pearson
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9 |
Vgl. L. Watson (Ed.):
Out of Earth II, University of Plymouth, Devon 1995
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10 |
M. Greer: The Role of Moisture in
Cob Manufacture from Breccia soils, unveröff. Diss. (PhD thesis) 1997
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11 |
Vgl. Pearson
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12 |
M. Ford:
Current Research, University of Plymouth
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13 |
Vgl. Pearson
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14 |
Vgl. Pearson
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15 |
J. McCann: Clay and
Cob Buildings, Buckinghamshire (Shire Publications Ltd.) 1995
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16 |
Vgl. Pearson
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17 |
Vgl. Pearson
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18 |
Vgl. Pearson
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19 |
Vgl. Pearson
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20 |
J. Cox: Personal experience
through inspecting buildings of Devon for listing
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21 |
Vgl. McCann
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22 |
Vgl. Watson
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23 |
Vgl. McCann
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24 |
Vgl. Cox
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25 |
S. Dobson: Personal experience
of earth building in Australia
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26 |
Vgl. Watson

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