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Archäologen graben Schätze der Vergangenheit aus. Oft kommen
dabei auch Hinweise auf wertvolle, längst vergessene
Techniken zum Vorschein. So leistete die Archäologie im
portugiesischen Mértola einen wichtigen Beitrag zu einem
vollkommen neuen Verständnis mittelalterlicher
Bautechnologien. Grundlage dafür waren die Funde während
der archäologischen Untersuchungen auf dem Burggelände
und in der Kirche St. Sebastian in den letzten zehn
Jahren. Daraus wurden Erkenntnisse über Bauweisen in der
Zeit vom 12. bis zum 15. Jh. gewonnen, einschließlich der
durch neue archäologische Methoden ermöglichten
Einsichten in die Architektur des islamischen
Viertels der Stadt.

Der vorliegende Beitrag berichtet von diesen Forschungsergebnissen
und zeigt, welchen Beitrag die Archäologie zur Lösung
aktueller Probleme leisten kann - sei es beispielsweise die
Rekonstruktion historischer Stadtgebiete oder die
Konzipierung eines Berufsbildungsprogramms.

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Archäologie und Baugeschichte

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Mértola ist eine kleine Stadt im Landesinneren mit nur 1000
Einwohnern. Ihre historische Bedeutung verdankt sie einigen
strategischen Faktoren. Es liegt auf einer Felsklippe mit dem
Guadiana-Fluß auf der einen und dem Oieras-Fluß auf der
anderen Seite, was der Stadt eine natürliche
Verteidigungsposition von sehr hohem Wert verleiht. Und an
dieser Stelle endet die Schiffbarkeit, da das Flußbett nur
kurz hinter der Stadt in eine 14 m hohe Kaskade übergeht:
Keinem Boot ist es möglich, weiter nach Norden zu gelangen.

Beides machte Mértola zu einem wichtigen Handelshafen und zum
Zentrum eines riesigen Territoriums mit ständigem Kontakt zum
Mittelmeer. Vom Hafen Mértolas aus wurden in der Region
gewonnenes Gold, Silber und Kupfer verschifft. Und hierher
kamen natürlich Menschen und Güter von tausend verschiedenen
Orten, was zur Entwicklung der Stadt beitrug. Dies
beeinflußte auch die Bauweise und die Wahl des Baumaterials.
In Zeiten größerer Prosperität Mértolas waren die
traditionell verwendeten Materialien den Einflüssen fremder
Zivilisationen mit anderer Wirtschaft und Kultur ausgesetzt.
Der gediegene Wohlstand ermöglichte die Einfuhr fremden
Materials, das zu hohen Kosten importiert wurde. Nur aus
dieser Perspektive wird z.B. die massenhafte Einfuhr von
Marmor für den Bau der Paläste und Tempel des Forums
verständlich, das in der römischen Zeit die Hügelspitze
krönte.

Dieser Aufsatz geht jedoch nicht außergewöhnlichen
Ereignissen und Zeugnissen nach. Er widmet sich vielmehr der
Frage, wie von den Baumeistern der Vergangenheit die
traditionellen Materialien verwendet wurden, und hier vor
allem Lehm. Sein Einsatz als Baumaterial entwickelte sich
über Jahrhunderte und blieb bis heute eine Grundlage der
regionalen Architektur, die erhalten bleiben sollte.

Es sei deshalb kurz die traditionelle Bauweise in der Provinz
Alentejo vorgestellt: Hier handelt es sich um
Erdgeschoßhäuser mit Schieferfundamenten, Außen- oder
tragenden Wänden aus Stampflehm (Tapia) und
Innenraumunterteilungen aus Lehmziegeln (Adobe). Die Dächer
sind aus Rundholz, entweder Kastanie oder Eukalyptus, mit
einem Auflager aus Rohr gefertigt, auf dem die
traditionellen, gekrümmten Ziegel ruhen, die das Haus vor den
schädigenden Einflüssen des Regens schützen. Keramikmaterial
findet sich als Fußboden und in vielen dekorativen Details,
die diese Häuser normalerweise haben. Kalk wird im Mörtel
verwendet, hauptsächlich aber als Tünche. Alle Häuser werden
innen und außen getüncht; Tünche ist das Erkennungsmerkmal
der Häuser Südportugals, ein Symbol großer hygienischer
Sorgfalt und eine Quelle zahlloser Lichtreflexionen.

Aus der Konstruktion dieses Haustyps ergeben sich einige
Grenzen, von denen ich zwei nennen möchte: die Raumgröße und
das Dach. Normalerweise sind alle Baumaterialien leicht und
deshalb billig zu haben, nur das Holz für das Dach ist etwas
knapper und teurer. Die Häuser wurden von einer Gemeinschaft
aus Familienmitgliedern und Nachbarn errichtet, und sie
werden bis heute in ihren traditionellen Formen genutzt. Die
Anwendung moderner, industriell erzeugter Baumaterialien bei
Bau oder Instandsetzung dieser Gebäude begann erst vor 20
Jahren.

Neuerdings werden Anstrengungen zur Wiederbelebung der
traditionellen Tapia-Bauweise unternommen, vor allem in
Mértola. Hier ergeben sich diese Bemühungen aus einem
größeren städtischen Rekonstruktionsprojekt, für den auch die
Archäologie einen wichtigen Beitrag leistet:

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sie kann belegen, welches Baumaterial, welche Bauverfahren
und welche Gebäudetypen angewendet wurden, und
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sie kann im historischen Vergleich zeigen, wenn Merkmale sich veränderten,
denn die traditionelle Bauweise blieb keineswegs über die
Jahrhunderte unverändert.
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Traditionelle Techniken wiederbeleben

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In Mértola bot sich die einmalige Chance, die archäologischen
Forschungen auch zur Wiederentdeckung bestimmter Techniken
der Baumaterialherstellung und des Bauens zu nutzen. Dies
erfolgt tatsächlich seit 1978 mit dem Ziel, diese
Erkenntnisse für Rekonstruktion, Denkmalpflege und auch die
Wiederbelebung der traditionellen Bauweise auszuwerten. Die
archäologischen Grabungen sind verbunden mit historischen
Untersuchungen, mit Maßnahmen zur Aufwertung des lokalen
Gebäudebestands und mit der Einrichtung eines Museums. Das
Museum soll zur Förderung des Kulturtourismus' und damit der
örtlichen Entwicklung durch Erhöhung der finanziellen
Ressourcen beitragen. Es trägt die Bezeichnung "Stadtmuseum".

Das Gesamtprojekt ist mit der Stadtsanierung verbunden. Die
Verbindung ist so eng, daß unser Konzept nicht nur die
Ausstellungsstücke des Museums als historisch bedeutsam
behandelt und präsentieren will, sondern ebenso die Straßen
Mértolas, seine städtischen Merkmale, die öffentlichen
Plätze, die Gestaltung der Wohngebiete, die Architektur, das
Baumaterial und die Bautechnik im allgemeinen. Unser Motto
lautet "Das Museum ist die Stadt selbst".

Heute verteilen sich mehrere Museen über das gesamte Stadtgebiet.
Sie sind jeweils einem Thema gewidmet und beziehen, wenn
möglich, historische, zum Teil auch mit archäologischen
Mitteln entdeckte Gebäude bzw. Konstruktionen ein. Diese
Vorgehensweise führte dazu, daß heute viele Gebäude, nachdem
sie als Teil des historischen Erbes anerkannt worden waren,
in ihrem Bestand gesichert sind. Auf diese Weise erweist sich
das Museumskonzept in zweifacher Hinsicht als ein Gewinn für
das bauliche Erbe der Stadt:

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1. |
durch Einbeziehung von Räumen in das Museum - einige
befinden sich in Gebäuden mit hoher symbolischer Bedeutung -
und
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2. |
durch die große Attraktivität für Besucher, woraus sich
für die Einwohner Mértolas neue und bessere Perspektiven
an ihrem Wohnort ergeben: Langsam und stetig werden die
Häuser saniert, so daß sogar die Einwohnerzahl im nächsten
Jahrzehnt wachsen wird. Allerdings hat auch der Wunsch nach
spekulativen Hausverkäufen zu einigen Sanierungsinitiativen
geführt.
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Das gute Verhältnis zwischen den politischen und technischen
Abteilungen der örtlichen Planungsbehörden führte dazu, daß
sich aus der Sicherung und Erhaltung des baulichen Erbes
Mértolas ein Anstoß für die neue Entwicklung der Stadt ergab.
Bei einigen Projekten führte die Restaurierung von Gebäuden
zu bemerkenswerten Ergebnissen, durch andere wurde das
Aussterben traditioneller Technologien und
Materialherstellung verhindert. Weitere Effekte sind die
Wiederbelebung handwerklicher Produktion und Werkstätten
sowie Impulse zur Berufsausbildung für die traditionelle
Bauweise, hauptsächlich mit Stampflehm und Lehmziegeln.

Diese Erfolge weckten viele Erwartungen, die nun in einen
Zusammenhang gebracht werden müssen, um den Plan zur
Sicherung des historischen Stadtgebietes effektiver zu
gestalten und die Wohnqualität in Mértola zu verbessern.
Dieser Plan sollte zeigen, daß das Ziel, für Mértolas
Bewohner bessere Lebensbedingungen zu schaffen, mit den
Maßnahmen zur Erhaltung des historischen Gebäudebestandes
Zu erwähnen ist, daß die bislang realisierten Maßnahmen nur
punktuell wirken. Die für die Einbeziehung des gesamten
Stadtgebietes in das Vorhaben erforderlichen finanziellen
Mittel überschreiten beträchtlich die Möglichkeiten der
Gemeinde. Neuerdings wird in Portugal die Idee eines
Sonderfonds diskutiert, aus dem für solche Zwecke Kredite
zur Verfügung gestellt werden könnten - ein Fonds, der für
Lissabon bereits eingerichtet ist. Unter vergleichbaren
Bedingungen hätte Mértola gute Ausgangsbedingungen, seine
Planung umzusetzen.vereinbar ist.

Zu erwähnen ist, daß die bislang realisierten Maßnahmen nur
punktuell wirken. Die für die Einbeziehung des gesamten
Stadtgebietes in das Vorhaben erforderlichen finanziellen
Mittel überschreiten beträchtlich die Möglichkeiten der
Gemeinde. Neuerdings wird in Portugal die Idee eines
Sonderfonds diskutiert, aus dem für solche Zwecke Kredite
zur Verfügung gestellt werden könnten - ein Fonds, der für
Lissabon bereits eingerichtet ist. Unter vergleichbaren
Bedingungen hätte Mértola gute Ausgangsbedingungen, seine
Planung umzusetzen.

Im folgenden wird an zwei Beispielen gezeigt, wie aus der
Kombination archäologischer Methoden und den Möglichkeiten
der denkmalpflegerischen Rekonstruktion von Gebäuden das
Wissen über traditionelle Architekturmerkmale entstand.

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Islamisches Haus Nr. 1

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Seit Jahren werden auf dem römischen Forum Mértolas und im
islamischen Wohngebiet archäologische Untersuchungen
durchgeführt. Gefunden wurde eine bedeutende Wohnsiedlung von
rund 4000 m2 Ausdehnung mit ungefähr 30 Häusern. In ihrer
Typologie gehören diese Häuser zur Gruppe des "mediterranen
Hauses", bei dem alle Räume um einen offenen zentralen Hof,
den Patio, liegen. Dort befand sich ein zentrales Becken zum
Sammeln des Regenwassers.

Eines dieser Häuser, das als Haus Nr. 1 gekennzeichnet ist, liegt
an einer Allee. Wir betreten das Haus durch ein kleines
Atrium, das zu einem Hof führt, dessen Pflasterung aus
Keramikfliesen das Regenwasser zum zentralen Wasserbecken
eitet.. Auf der gegenüberliegenden Seite des Hofes öffnet
sich ein Tor mit Pilastern, hinter dem sich ein 6 x 2 m
großer Raum befindet, der Hauptraum des Hauses. Geht man
zum Hof zurück, kann man einen anderen Raum sehen, in dem
Vorratsgefäße gelagert wurden. Ein kleiner winkliger Gang
führt vom Hof zum Wasserklosett, wo die Latrine mit einem
Abwassersystem verbunden ist, das alles Schmutzwasser vor
die Burgmauer ableitet. Alle Räume waren mit Gefälledächern
bedeckt, die sich zum zentralen Hof hin neigen. Die
Gesamtfläche des Hauses beträgt rund 70 m2, wovon allein der
Patio ein Viertel einnimmt. Über den Bauwerken des römischen
Forums errichtet, bedienten sich die Erbauer dieses Hauses
aus den Überresten der römischen Bauwerke.

Die Außenwände, einschließlich derer, die zum Patio zeigen,
sind bis 70 cm über dem Boden als Ton oder Steinmauerwerk
ausgeführt.. Darüber ist die Wand in Stampflehmbauweise in
einer Dicke von 50 cm ausgeführt. Die Bauweise entspricht
recht genau dem heute noch üblichen Verfahren.

Alle Wände, ob aus Stampflehm (Tapia) oder Lehmziegeln (Adobe)
errichtet, wurden mit einer dünnen Tonschicht bedeckt und
nach dem Trocknen erneut mit Sand- und Kalkmörtel verputzt.
In diese erste Schicht, der Kies beigemengt ist, wurden
Vertiefungen eingearbeitet, um die Haftung der letzten
Putzschicht zu verbessern. Der letzte Putzauftrag ist
normalerweise 4 mm dick und besteht aus Kalk und Gips.
Dieser Weichputz wurde mehrfach mit einer rötlichen
Wasserfarbe gestrichen, manchmal sogar mit komplexeren
Zeichnungen versehen.

Es sei darauf hingewiesen, daß die portugiesische Archäologie
bis vor 20, 30 Jahren meist nur Interesse an den römischen
Siedlungen zeigte. Dadurch wurden mit Sicherheit alle
mittelalterlichen Schichten zerstört und der Boden der alten
Wände als der unvermeidliche Müll interpretiert, der sich
über Jahrhunderte angesammelt hätte. Auf diese Weise gingen
viele aussagekräfte Relikte unwiederbringlich verloren.
Mértola blieb das erspart, und so es ist heute möglich
festzustellen, daß die damals angewendete Bautechnik bis in
die Gegenwart angewendet wurde.

Ich werde im folgenden die Räume des Hauses Nr. 1 und ihre
Funktionen sowie die verschiedenartige Anwendung der
Baumaterialien kurz beschreiben. Dabei beschränke ich
mich auf Wände und Bodenpflasterung, da nur dort ungebrannter
oder gebrannter Lehm verwendet wurde.

In Raum Nr. 1 mit einer Fläche von 8 m2 wurde eine kleine
Feuerstelle gefunden. Sie bestand aus zwei rechteckigen
Kacheln von 30 x 14 cm in paralleler Anordnung und zwei
weiteren rechteckigen Kacheln mit einer Gesamtfläche von
80 x 44 cm. Das Tragwerk um diesen Raum herum besteht mit
Ausnahme der Wand zum Hof, wo man noch ungefähr 30 cm S
tampflehm sehen kann, aus Tonmauerwerk. Die Fußbodenplatte
dieses Teils des Gebäudes ist aus verdichtetem Lehm mit
kleinen Schiefersteinen.

Raum Nr. 2 hat eine Fläche von rund 5 m2 in ähnlicher Bauweise wie der vorgenannte.
Die Fußbodenplatte besteht jedoch aus 30 x 23 cm großen
Fliesen.

Raum Nr. 3 ist mit 5,7 m2 etwas größer und hat eine ähnliche
Fundamentkonstruktion sowie zwei gegenüberliegende Türen.
Eine davon öffnet sich zur Straße und hat Türrahmen aus
Ziegeln. Zwei Stufen führen zur Fußbodenplatte aus
verdichtetem Lehm,
und nur der Bereich der Türfüllung ist mit Fliesen belegt.

Raum Nr. 4, der sich an die Burgwand anlehnt, hat eine
Gesamtfläche von 3,5 m2. Die anderen drei Wände bestehen aus
Ziegelmauerwerk. Zur Anwendung kam ein Verfahren mit
emischtem Material (Ton und Stein), das bis vor 20, 30 Jahren
sehr verbreitet war, heute aber kaum noch eine Rolle spielt.
Gegenüber dem Eingang zum Patio bildet eine kleine
Lehmziegelwand eine winklige Ecke. Auf einigen der bei den
Ausgrabungen im Boden gefundenen Deckenziegel findet sich
noch die ursprüngliche Stuckschicht. Der Fußboden besteht aus
Fliesen und wird nur durch eine längliche Öffnung, die
Latrine,
unterbrochen, die mit dem zentralen Abwassersystem verbunden
ist.

Der zentrale Hof wird als Raum Nr. 5 bezeichnet. Er hat mit
22,75 m2 die größte Fläche, ist grob quadratisch und liegt in
der Mitte des Hauses. In seinem Zentrum befindet sich das
erwähnte Wasserbecken aus Tonziegeln,
dessen Oberkante mit der Ziegelfußbodenplatte abschließt.

Die Räume 6 und 7 haben zusammen eine Fläche von insgesamt
16,4 m2. Dieser Raum ist mit dem Patio durch eine
Schiebetür verbunden, wovon wir im Fundament nur noch Reste
fanden. Dieser Raum ist der Hauptraum des Hauses, ein
Wohnzimmer von 6 x 3 m und mit einem kleinen Stufenbett
versehen. Diese beiden Räume sind nur durch eine kleine
Lehmziegelwand voreinander getrennt. Die Bettfläche war durch
eine kleine Doppelbogenkonstruktion, von der Reste der Basis
zu sehen sind, in den Raum hinein offen. Innerhalb dieser
Unterteilung wurden auf dem Fußboden Tonfliesen in unregel
mäßiger Anordnung gefunden. Der Fußboden bestand aus rotem
Mörtel.

Schließlich nimmt Raum Nr. 8 gegenüber der Wand eine Fläche
von 8,4 m2 ein. Der Raum hat Stampflehmwände und eine
ußbodenplatte aus verdichtetem Lehm. In diesem
Speicherraum wurden in situ zwei große Keramikgefäße gefunden.

Wir können schlußfolgern, daß diese Baumethoden, wie
durch die archäologischen Daten bestätigt, durch
verschiedene historische Zeiträume gleich blieben, da sie
sich erwiesenermaßen am besten an das örtliche Klima
anpaßten. Es muß ergänzt werden, daß der Platz des Forums
nun allmählich zum Museum wird. Und es wurde entschieden,
die Fläche in der islamischen Schicht zu lassen, damit
die Besucher die Kontinuität erkennen können,
die von den traditionellen Gebäuden bis zur heutigen Zeit
führt.

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Die Kapelle St. Sebastian

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Ein weiteres Beispiel ist die Wiederherstellung der Reste von
St. Sebastian, einer Kapelle in der Nähe von Mértola, an
einem alten römischen Weg gelegen, der dem Guadiana-Fluß
einige Meilen folgt. Die Stelle wurde ursprünglich von
Estacio da Vaiga, einem portugiesischen Archäologen des 19.
Jhs., nach der großen Überschwemmung des Guadiana im Jahre
1876 gefunden. Er dokumentierte die vielen verschiedenen Bauteile einschl. 17 steinernen
Grabstätten.

Anläßlich der Erweiterung der örtlichen höheren Schule
führten die Archäologen mit Hilfe der Gemeinde eine
Notgrabung auf der Fläche durch, wo die neuen Gebäude
errichtet werden sollten. Die archäologische Bedeutung des
Standortes veranlaßte die Gruppe, gemeinsam mit Gemeinde und
Schulbehörde, den Erziehungsminister zur Aufgabe der
ursprünglichen Vergrößerungspläne zu bewegen. So blieb
wenigstens ein bedeutsamer Teil der Überbleibsel vor der
Zerstörung bewahrt und als ein Teil des örtlichen Erbes durch Integration in die Schule
erhalten.

Danach begannen die Ausgrabungsarbeiten erneut und
konzentrierten sich auf die Reste einer alten Kirche aus dem
16. Jh. Zugleich wurde eine gründliche historische Forschung
durchgeführt, die sich nicht nur auf dieses Gebäude bezog,
sondern auch auf die Weihe von Saint Sebastian.

Dieses Stadium der Arbeiten fiel mit der Eröffnung einer
Berufsfachschule (Bento de Jesus Caraça) in Mértola zusammen,
so daß sich Schüler der archäologischen museologischen Kurse
beteiligen konnten.

Die Kapelle hat drei Räume: die Hauptkapelle aus dem 16. Jh.
(Altar), ein quadratisches kleines Schiff und die Sakristei,
ein südlicher Anbau, wahrscheinlich nicht älter als aus dem
18. Jh. Die Basis einer der Säulen, die den Bogen der Kapelle
trugen, kann man zwischen Hauptkapelle und Schiff noch sehen.
Diese waren aus Ziegeln und wurden dann mit Mörtel und Tünche
versehen. Anders als bei den zwei Türen, die vom Altarraum
zur Sakristei und von dort nach draußen führen, lassen sich
Reste des Haupttores nicht nachweisen.

Die Reste der Wände bestehen beim Hauptgebäude aus
Steinmauerwerk mit Kalkmörtel, sie sind 60 cm stark; in der
Sakristei sind die Wände, Tapia, auf einem Fundament aus
Steinmauerwerk errichtet und, wie üblich, nur 50 cm stark.
Diese Konstruktion wurde durch Strebepfeiler verstärkt; zwei
von ihnen wurden noch vor Ort gefunden, der dritte war nicht
mehr an seinem ursprünglichen Platz. Die Wände sind mit
Kalkmörtel bedeckt und sowohl innen als auch außen weiß
getüncht.

Die entdeckten Überreste erlauben die Schlußfolgerung, daß
die Hauptkapelle von einem runden Gewölbe bedeckt war. Teile
des Gewölbes wurden über der Pflasterung gefunden, während
vom Dach im Schiff, das wahrscheinlich ein Satteldach war,
nur Ziegelreste vorhanden waren. In der Sakristei zeigen die
verschiedenen, in der Fußbodenplatte gefundenen Reste der
Seitenwände, daß dies nur ein nach Süden zeigendes Dach war.
Zudem wurde ein noch an der Wand befestigter Teil der
Dachtraufe gefunden, das deutlich in diese Richtung zeigte.

Die Fußbodenplatten waren unvollständig. In der Hauptkapelle
und im Schiff ist die Pflasterung aus Tonfliesen in drei
unterschiedlichen, durch Stufen getrennte Höhen aber noch zu
sehen. Der Boden der Sakristei war aus Kalkmörtel, das Tor
aus Schiefer.

Beim Neubau gab es zwei vorrangige Ziele: 1. zu versuchen,
die originalen architektonischen Merkmale unter
Berücksichtigung aller Informationen aus der Archäologie, der
historischen Forschung und durch Vergleich mit ähnlichen, in
der Region existierenden Gebäuden, herzustellen. 2.
traditionelle Bauverfahren anzuwenden, hauptsächlich unter
Berücksichtigung von Steinmauerwerk und Fußbodenplatten mit
rotem Mörtel, gerundeten Dachziegeln, Rohrdach sowie Neubau
der traditionellen regionalen Ziegelgewölbe im Hauptkörper
der Kirche.

Heute steht das Gebäude wieder. Das Museum ist im Ausbau und hat
die unterschiedliche Nutzung dieses Platzes in den
Jahrhunderten zum Thema. Wiederum ist die Berufsfachschule
einbezogen. Die Museologie wird eine pädagogische Dimension
bekommen und den Schülern eine konkrete Erfahrung mit der
Bewahrung des örtlichen Erbes ermöglichen. Darüber hinaus
wurde eine Nutzungsstrategie entwickelt, die die
Berufsfachschüler, die Einwohner Mértolas und Touristen
berücksichtigt. Sie ist die Grundlage für die Instandsetzung
und Erhaltung der Kirche.

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Resümee

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Wie an diesen beiden Beispielen gezeigt, erfordern Erbe und
Tradition, Gebäudesanierung und -rekonstruktion, daß die
traditionellen Baumaterialien und -technologien jederzeit
verfügbar sind. Wir brauchen diesen Teil unseres kulturellen
Gedächtnisses, um auch die Existenz technischer Verfahren und
Materialien für den Bestand historischer Siedlungen, Gebäude
und Denkmale zu sichern.

Die allgemeine Ausbreitung moderner Gebäudestereotypen und der
Verlust einer natürlichen Lebensweise hat viele Handwerker
korrumpiert. Dennoch sind ältere Handwerker die einzigen,
die fähig sind, die traditionellen Verfahren wiederzubeleben.
Obwohl der beruflichen Lehre und Ausbildung auf diesen
Gebieten Unterstützung gewährt wird, ist es oft sehr
schwierig, fähige Meister zu finden, die ohne moderne
Materialien und Ausrüstungen in traditioneller Weise arbeiten
und anleiten können.

Hinter dem schnellen Übergang von tausendjährigem Wissen zu
einer standardisierten modernen Produktion steht die
gesellschaftliche und kulturelle Entwicklung. Sie hat dazu
geführt, daß heute dem Modernen ein höherer Wert beigemessen
wird als dem Traditionellen, selbst wenn örtliches Klima und
Bewohnbarkeit der Gebäude etwas anderes anzeigen.

Bauverfahren, die mit kleinen Verbesserungen während vieler
Jahrhunderte unverändert blieben, wandelten sich im Verlauf
nur einer Generation sehr schnell und trugen zur Veränderung
der Landschaft bei. Angesichts dessen werden neue
Anforderungen an Komfort und Haus, an neue oder erneuerte
Gebäude diskutiert, denn die Authentizität der traditionellen
Architektur und Zeugnisse ihrer spezifischen Verfahren sollen
für kommende Generationen bewahrt werden. Wir stehen vor
einer Entwicklung, die dazu führen kann, daß der Wandel der
baulichen Fähigkeiten und des Geschmacks dazu führen, daß
neue Bauwerke nur dem Aussehen nach als traditionell
bezeichnet werden können. Vieles in der aktuellen
Gesetzgebung geht in diese Richtung; man befaßt sich zwar
mit den Fassaden, vernachlässigt aber völlig die.innere
Erneuerung.

Diese Gegebenheiten sprechen für die Wiederbelebung
traditioneller Arbeitsverfahren und -materialien. Dafür ist
gründlicheres Wissen unter anderem über ihre Verträglichkeit
mit modernen Materialien oder Komponenten erforderlich. Dazu
müssen Studien zur gemischten Anwendung moderner und
traditioneller Materialien durchgeführt werden. Von ihnen muß
das Bauen profitieren können, ohne daß ein Risiko für
Gebäude, Denkmale und Siedlungen entsteht.

Traditionelle Bauwerksanierung, speziell die an historischen
Gebäuden, die gerettet und geschützt werden müssen,
stellt die Erhaltung ihrer formalen und ästhetischen
Merkmale sicher. Tatsächlich erfordert dieses Ziel aber
eine genaue Kenntnis der historischen Technik und
Materialien,

Bauen, wieder aufbauen, verändern, niederreißen, erneut bauen;
diese Stufen folgten eine auf die andere, und im Lauf der Zeit
prägten sie in Städten und anderen urbanen Regionen die
Architekturformen. Sie bieten den individuellen Fingerabdruck
jeden Ortes. Deshalb ist ihr Studium so faszinierend.

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Virgilio Lopes/Rui Mateus

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