GLOSSAR LEHMBAU

Achterling: Probekörper in Form einer Acht für die Bindigkeitsprüfung, die aus der Zementprüfung übernommen wurde. Unterteilung in mageren, mittelfetten und fetten Lehm zeigt meistens schon recht gut, ob der Lehm für die vorgesehene Lehmbautechnik geeignet ist.

Adobe: Luftgetrocknete Lehmsteine aus feuchtem, oft mit Strohhäcksel stabilisiertem Lehm, der in einfachen Holzformen geworfen oder gestampft wird.

Aegeleimen: Lehm mit Schäbels vermischt. Flachsscheben sind der Abfall bei der Gewinnung von Fasern aus Lein.

Altar aus Lehmsteinen: Er wurde um 1830 in Bückeburg erbaut, "um den Lehmbau sichtbar darzustellen und zu lehren." Die Lehmsteine wurden nicht wie üblich geputzt, sondern mit einer Stahlbürste abgebürstet. Der Altar trug die Inschrift: "Zur Sonne, rechtwinklich nach Mittag, sollten die Häuser der Menschen mit ihren vorderen Seiten gerichtet seyn: sie sollten von Lehmsteinen fest, dauerhaft, unverbrennlich, im Sommer kühl, im Winter warm, wohlfeil, herrlich und schön erbaut werden ..."

Alaun: Beiz- und Desinfektionsmittel, von unseren Vorfahren zum Blutstillen nach dem Rasieren benutzt, eignet sich als Grundierung vor Kaseinanstrichen und als Zugabe zum Kalkanstrich, um Schimmelpilzbildung zu vermeiden.

Armierung: Pflanzliche, tierische, mineralische und synthetische Fasern, Stäbe, Pfosten und Techniken zur Bewehrung und Erhöhung der Zugfestigkeit von Bauelementen aus Lehm.

Aurampresse: Aus einer indischen Handpresse für Lehmsteine wurde sie mit schweizerischer Gründlichkeit in Auroville (Südindien) zu einer der besten Handpressen weiterentwickelt, die z.Z. für 1400 DM + ca. 800 DM angeboten wird und beim Lehmbaukontor auszuleihen ist.

Bajareque: In Lateinamerika verbreitete Flechtwerkwände mit Lehmbewurf oder Lehmverstrich.

Baubiologie: "Die Herstellung eines gesundheitsfördernden Mikroklimas ist eine Kunst, die bei jedem Gebäude neu geübt werden muß. Materialien, über die wir medizinische Langzeiterfahrungen haben, weil sie uns seit Generationen vertraut sind, sollten nur nach strenger Prüfung durch moderne Baustoffe ersetzt werden. Das ist Baubiologie", schreibt H. König in seinem Buch "Wege zum gesunden Bauen."

Baulehm: "Baulehme sind tonhaltige Erden. Sie sind Gemische von Ton mit sandigen bis steinigen Bestandteilen, dem Mineralgerüst. Im trockenen Zustand erreichen sie Festigkeiten, die sie für Bauzwecke geeignet machen. Baulehme mit großem Tongehalt heißen fett, Lehme mit einem geringen heißen mager." (DIN 18952)

Bauphysik: Grundlage des klimagerechten Bauens, hauptsächlich auf das Wärme- und Feuchteverhalten von Baustoffen bezogen. Wichtig für gesundes, angenehmes Innenraumklima.

Baustatik: Lehre vom Gleichgewicht der Kräfte, die auf ein Gebäude einwirken; Grundlage der richtigen Form und Dimensionierung von Bauteilen zur Gewährleistung der Stabilität eines Bauwerkes.

Begrünung: Ein naturfreundliches Planen und Bauen - von der Bepflanzung einer Grundstücksanlage mit einheimischen Gewächsen bis zur extensiven Dachbegrünung - berücksichtigt natürliche wie soziale Zusammenhänge, schont bestehende Naturräume sowie Ressourcen und spart Energie.

Berg- oder Gehängelehm: Er "lagert auf den Gesteinen, aus denen er durch Verwitterung entstanden ist oder an den Hängen darunter. Das Mineralgerüst besteht vorwiegend aus kantigen Gesteinstrümmern verschiedener Körnung, die je nach dem Grad der Verwitterung oder der Zusammensetzung des Ursprungsgesteins bei den einzelnen Lagerstätten unterschiedlich sind." (DIN 18952)

Bindemittel: Tonmineralien im Lehm sind anderen Bindemitteln im Bauwesen (wie Zement, Bitumen, Kalk oder Gips) vergleichbar, die außer Gips alle ein stabiles Korngerüst aus Sand oder (bei Leichtbeton und Leichtlehm) luftigeren Zuschlagstoffen wie Blähton, Blähschiefer oder Fasern etc. benötigen.

Bindiger Lehm: Ein fetter Lehm, stark tonhaltiger, für alle Leichtlehmtechniken gut geeigneter Lehm.

Bissen, Gabelbissen: Feuchter Lehmhaufen, der mit der Gabel in einer Art Mauerverbund zu einer massiven Wellerwand aufgeschichtet oder aufgeschlagen wird. "Jeder Bissen muß auch derb aufeinander im Auftragen auf- und angedrückt werden, so daß nirgends ein leerer Raum bleibt."

Bitumen: Das in der Natur vorkommende Erdpech bzw. aus Erdöl hergestellte Stabilisierungsmittel vermindert die Fähigkeit des Lehms, Feuchtigkeit zu absorbieren.

Blähton: Kurzfristig bei hohen Temperaturen (> 1000 °C) gebrannter Ton, wird durch das eingeschlossene Wasser, das zu Dampf wird, auf das zehn- bis zwanzigfache Volumen aufgebläht. Das gleiche, bei Blähglimmer, Blähschiefer, Blähperlite (Vulkangestein) und Schaumglas (aus Recycling) angewandte Verfahren ergibt eine Vielzahl von Dämmstoffen, die im Gegensatz zur Mineralwolle nicht lungengängig sind und sich als Zuschläge für Mineralleichtlehm eignen.

Blockpresse: Die manuell- oder motorbetriebene Maschine zur Herstellung von Lehmsteinen ist mit mechanischen oder hydraulischen Pressen in einfacher Form (ohne Motor) schon für 2000 DM, mit Motor allerdings erst ab 25.000 DM zu haben.

Cointeraux: Der französische Baumeister François Cointeraux hat den Lehmstampfbau zwar nicht erfunden, doch die baulichen Möglichkeiten so interessant beschrieben, daß seine Bücher, Ende des 18. Jahrhunderts in mehrere Sprachen übersetzt, auch in Deutschland eine kurze Blütezeit dieser Bauweise einleitete.

Dampfbremse: Wasserdichte, dampfbremsende Anstriche, Pappen und Folien mit Beschichtungen aus Teer, Bitumen, Metall oder Kunststoff.

Dämmung: Materialien und Konstruktionen zur Wärmedämmung bzw. Schalldämmung.

Decklehm: Lehm vermischt mit Tierhaaren. "Mit diesem Decklehm kann man nun Wände bewerfen und förmlich abputzen..." (Meinert 1802)

DIN: Die deutsche Industrienorm gibt die anerkannten Regeln der Baukunst und den Stand der Technik wieder. Unsicherheit entstand dadurch, daß die Lehmbaunorm DIN 18951 im Jahr 1971 ersatzlos zurückgezogen wurde, weshalb man in den letzten Jahren nur vereinzelt mit tragenden Lehmwänden baute. Nun läßt sich eine DIN zwar zurückziehen, nicht aber der Stand der Technik. So sieht auch die Bauaufsicht ein, daß "Lehmbau..., soweit er sich im Rahmen der zurückgezogenen Norm bewegt, bekannt (ist), so daß auf den Nachweis der Brauchbarkeit verzichtet werden kann ..." Zusätzlich erleichtert wurde das Bauen mit tragenden Lehmwänden durch ein Rundschreiben an alle oberen Genehmigungsbehörden 1997.

Dollwand: In die Wand aus Fachwerk und Staken, die mit Strohlehm ausgefüllt wird, werden lehmbeschmierte lange Strohzöpfe und Strohtaue zwischen die Hölzer (gedollte Wand) gedrückt.

Dornsches Lehmflachdach: Der Fabrikant Dorn aus Berlin propagierte um 1835 ein Lehmflachdach. Eine Schicht aus Lehm und Gerberlohe wurde auf eine Bretterschalung aufgebracht und mit Anstrichen aus heißem Steinkohlenteer, Harz und Kolophonium gedichtet. Dieser Flachdachaufbau hat sich bewährt.

Drecksbau: Mundartlicher Begriff für Lehmbauten in Hessen oder in der Magdeburger Börde.

Dünner Lehmbroteverfahren: 1923 errichtete Pastor Gustav von Bodelschwingh in Dünne (Kreis Herford) sein eigenes Haus mit Wänden aus "Lehmbroten", in einer Technik, die er in Ostafrika als Missionar kennengelernt hatte. Bis 1949 wurde mehr als 300 Siedlungshäuser in dieser Bauweise fertiggestellt. Beim Dünner Verfahren wurde erst das Dach auf Rundholzstützen errichtet und gedeckt und dann darunter die Außen- und Innenwände aus Lehmbroten aufgeschichtet. Die Lehmbrote von der Größe etwa eines Ziegelsteins wurden auf Tischen mit den Händen geformt und gleich feucht ohne Mörtel im Verband verlegt.

Erde: Das Wort "Erde" wird heute im deutschen Sprachgebrauch im Zusammenhang mit dem Lehmbau nur noch selten verwendet, war früher jedoch geläufig wie der Buchtitel "Anleitung zur Erd-Bau-Kunst (Pisé-Bau)" des königlich-preußischen Regierungs-Bau-Inspektors S. Sachs von 1829 belegt.

Erdbaumeister: Baumeister, der "Erdgebäude" mit "Erdmauern" aus Lehm ausführt.

Erdbetonbau: Eine etwas veralteter Begriff für den Lehmbau, in dem noch gegenseitiger Respekt und Vergleichbarkeit mitschwingt.

Erdzerkleinerer: auch Erdwolf genannt, eine Maschine, in die vorn klumpiger, steiniger Lehm herein- und hinten verarbeitungsfähiger Lehm herauskommt.

Fachgerte: Fach- oder Flechtgerten sind "... gespaltene Stäbe, welche in den Fachen oder Fächern der Lehmwände um das Fach- oder Stakholz geflochten und mit Lehm, welcher mit Stroh eingeknetet ist, überzogen werden. Die Fachgerten werden gemeiniglich aus häselnen Stäben, die ein Zoll auch wohl etwas darüber stark sind, gemacht. Jeder Stab wird gespalten ..." (Krünitz 1788)

Fachwerkbau: Lastabtragende Holzstiele mit nichttragenden Ausfachungen zwischen den Hölzern, die mit Lehm oder Ziegel ausgefüllt sind.

Faserlehm: Ein mit pflanzlichen oder tierischen Fasern bewehrter Lehm. H.G. Sieber beschreibt, daß bei dessen Verarbeitung die äußere Wachs-Pektin-Schicht der Fasern durch Bakterien angelöst, die Tonkristalle an die Pektine und Zelluloseketten der äußeren Fibrillenschicht der Fasern angehängt, und so die Festigkeit des Gemisches erhöht wird. Die Bakterien sorgen dabei durch ihren Stoffwechsel für einen leichten Milchsäuregeruch.

Faserlehmplatten: "Aus der beschriebenen Masse werden biegefeste Lehmplatten im Patzverfahren hergestellt. Die Faserstoffbeimengung soll aus Spreu und bis zu 5 cm langem Häcksel bestehen. Die Mindestdicke der Platte beträgt 5 cm. Im allgemeinen werden die Platten 8-10 cm dick hergestellt." (Pollack/Richter)

Fasern: Fast alle Fasern tierischen oder pflanzlichen Ursprungs sind denkbar, um den Lehm zu bewehren, also wie beim Stahlbetonbau seine Biegezugfestigkeit zu erhöhen bzw. beim Putzen Risse zu vermeiden: Tierhaare wie Schweineborsten, Stroh, Heu, Schilf in unterschiedlichen Längen gehäckselt, kleine Äste und Heidekraut, Kokos- und Sisalfasern genauso wie Tannen- und Kiefernnadeln, Kaff - auch Spreu genannte Reste vom Dreschen - sowie die bei der Fasergewinnung aus Leinen und Hanf anfallenden Schäben und nicht zuletzt Kuhschiet und Pferdeäpfel.

Fetter Lehm: Lehm mit einem hohen Anteil Tonmineralien (bis 30 %), auch bindiger Lehm genannt.

Fingerdruckprobe: Dient zur Unterscheidung von Sand, Lehm und Ton.

Flaschenbau: Nach Niemeyer befestigt man zwischen tragenden Pfosten, in der Mitte der Wand, senkrecht stehende Rundstangen (Bohnenstangen). An diesen Stangen wird Strohlehm in flaschenartigen Gebilden angebracht und zur Wand zurückgedrückt. Da auch die Pfosten mit Lehm umkleidet werden, sind am fertigen Bauwerk außen und innen nur Lehmflächen zu sehen.

Flechtwerkwände: Flechtwerkwände mit Lehmbewurf, die in Deutschland am häufigsten verwendete Lehmbautechnik, werden nicht zum reinen Lehmbau gerechnet.

Gebrannter Ton: Aus tonhaltigen Erden geformte und gebrannte Baustoffe (Ziegel, Fliesen, Rohre), die in gemahlenem Zustand als Recyclingprodukt einen Zuschlag für Lehmputze und Stampflehm abgeben.

Geruchsprobe: Mit ihr werden (unerwünschter) organischer Bestandteile ermittelt.

Geschiebelehm: Dies "ist ein durch Gletscher auf oft weite Entfernungen verlagerter Lehm. Bei der Verlagerung ist die Zusammensetzung verändert worden. Das Mineralgerüst besteht aus rundlichen Körnungen" (DIN 18952). In unserer Region sind diese Lehme fast überall anzutreffen. Daneben gibt es nur noch vereinzelt Schwemmlehme.

Gezäuntes Gefach: Bezeichnet das nicht mit Lehm beworfene, sichtbare Flechtwerk eines Gefaches.

Gilly, David: Der Landbaumeister, Baubeamter, Mitglied des preußischen Oberbaudepartements und Dozent für Architektur (1748-1808) setzte sich besonders dafür ein, Häuser mit massiven Lehmwänden zu bauen und die Dächer mit Lehmschindeln zu decken. Unter seinen Publikationen war das "Handbuch der Landbaukunst" für den Lehmbau in Deutschland von größter Bedeutung. Es erlebte zwischen 1797 und 1836 sechs Auflagen. Sein ehrgeizigstes Lehmbauwerk war das Herrenhaus von Klein-Machnow. "In hiesiger Gegend hat ... Herr von Hacke, auf seinem Landgut Machnow, ein großes herrschaftliches Wohngebäude von zwei Etagen und einem hohem Souterrain von Luftsteinen mit Verblendung der Außenseiten, der Fronten und Giebel aufgeführt. Es sind in diesem Gebäude sogar die innern Scheide- und Mittelmauern im Souterrain ganz von Luftziegeln." Von diesem Haus ist heute nach seiner Zerstörung 1944 leider nur noch ein Haufen Lehm übrig, der auf seine Wiederverwendung wartet. Gillys Grab auf dem Friedhof "Vor dem Halleschen Tor" am Blücherplatz in Berlin wartet auf eine würdige Stampflehmwand.

Gleichgewichtsfeuchte: Ist in jedem Baustoff auch im trockenen Zustand enthalten. Wo zwei verschiedene Baustoffe zusammentreffen (wie etwa Holz und Lehm), nimmt immer der trockenere Baustoff (Lehm in unserem Beispiel) das anfallende Wasser wie eine gute Windel auf und transportiert es nach außen.
Die Gleichgewichtsfeuchte von Lehm liegt bei 4-5 %. Da tierische und pflanzliche Schädlinge (wie Pilze und Hausbock) sich nur in einem Klima von über 18 % Feuchtigkeit entwickeln und Holz nur befallen wird, wenn es feuchter ist, schützt Lehm die von ihm umschlossenen Hölzer und Faserstoffe optimal.

Gleitschalung: Schrittweise verschiebbare Schalung für Wand- oder Kuppelkonstruktionen aus Stampflehm, ähnlich wie beim Betonbau.

Goethe: Als Staatsbeamter des Herzogtums Sachsen-Weimar - hier war der Wellerbau seit Jahrhunderten bodenständig - und als Naturforscher dürfte Goethe den Lehmbau gut gekannt haben. In der Gegend um Weimar sind noch heute viele Lehmbauten zu finden. Seit Goethe wurde Lehmstampfbau nachweislich auch zum Gedicht: "... getret'ner Quark/wird breit, nicht stark./Schlägst Du ihn aber mit Gewalt/in feste Form,/nimmt er Gestalt./Dergleichen Steine wirst Du kennen,/Europäer "Pisé" sie nennen."

Grünling: Nach DIN 18951 ein "im Handstrich oder maschinell hergestellter (Maschinengrünling) und ungebrannter Lehmstein."

Habaner Dachdeckung: Die Habaner, eine religiöse Minderheit in Südosteuropa, waren als gute Handwerker, vor allem Töpfer, berühmt. Sie deckten ihre Dächer mit Lehmschindeln und propagierten die Technik im 18. und 19. Jahrhundert unter ihrem Namen in Deutschland, wobei man hoffte, mit Lehmschindeln die Feuergefährlichkeit der damals üblichen Strohdeckung zu mindern.

Hallisches Stroh- oder Lehmdach: Nach einer in den Salzsiedereien von Halle verwendeten Dachdeckung benannt. "Dieses Dach besteht aus einer Masse von Lehm und Stroh, die untereinander getreten, und hernach auf aneinander gelegten Stangen, eine halbe Elle dick, aufgetragen und glatt gestrichen wird. Ein solches Dach ist vollkommen feuersicher, nicht sehr theuer, hält das Eindringen der Kälte sehr ab und ist ausnehmend dauerhaft, denn es liegt über 100 Jahre." (Jacobsen 1794)

Heidstollenbauweise: "Eine ganz besondere Bauart ist das Heidstollenhaus. In ein kräftiges Fachwerk aus Rundhölzern sind sogenannte Heidstollen eingefügt. Diese Stollen bestehen aus leichten Holzgestellen, die mit Heidgeflecht umwickelt sind. Auf die Heidstollen wird der Lehmputz in mehreren Schichten dick aufgetragen." (Lenthe 1921)

Heigelin: Der Privatdozent für Baukunst und Kunstgeschichte der Universität Tübingen ließ 1827 in Tübingen eine Lehranstalt für Architektur in Stampflehmbauweise errichten.

Heimkulturbetonbau: Hinter diesem Begriff verbirgt sich nichts anderes als ein mit Drahtgewebe umwickelter Lehmquader. Nach dem 1. Weltkrieg bemühte sich der Heimkulturverlag in Wiesbaden den Lehmbau als "billigste Bauweise der Gegenwart" zu fördern, da dem Verlag und der "Vereinigung Heimkultur" die Nutzungsrechte des Lehmdrahtbauverfahrens (nach Baurat Paetz) für einige Zeit zustanden. Als der Vertrag auslief, propagierte der rührige Verlag den "Heimkulturbetonbau", ein ähnliches Verfahren, das darin bestand, in Formkästen mit Drahtgewebe ummantelte Lehmquader zu stampfen.

Heuneburg: Mehrere hundert Jahre bevor Tacitus eine lateinische Schullektüre über Germanien verfaßte, wurde bei Sigmaringen um die keltische Heuneburg eine etwa 150 Meter lange und drei bis vier Meter hohe Burgmauer aus 40 x 40 x 7 cm großen Lehmsteinen mit Lehmmörtel aufgeführt. Am Sockel war die Mauer sieben bis acht Steine dick. Beeindruckend ist die technische und organisatorische Leistung der Bauleute, denn es mußten etwa 192.000 Steine geformt werden, was 989.000 Steinen in Normalformat entspricht. Dies ist eine Menge, die zur Errichtung von etwa 80 bescheidenen Siedlungshäusern ausgereicht hätte. In Deutschland wurde wahrscheinlich weder früher noch später ein so großes Bauwerk aus Lehmsteinen ausgeführt.

Holzleichtlehm: In den letzten Jahren wird statt Strohleichtlehm zunehmend Holzleichtlehm wegen seiner wesentlich besseren Verarbeitung verwendet. Holzleichtlehm, eine Mischung aus etwa zwei Dritteln Holzhackschnitzel und einem Drittel fettem Baulehm, in einem gebräuchlichen Betonmischer vermengt, sackt im Gegensatz zum Strohleichtlehm kaum. Da weniger Anmachwasser nötig ist, verkürzen sich die Trockenzeiten und es besteht nicht, wie beim Strohleichtlehm, die Gefahr, daß der Baustoff bei schlechter Trocknung zu Humus zerfällt.

Hundsfott: Der Ausdruck bezeichnet ein breites Stück Holz, das zum Auftragen des Lehms diente und später durch die Maurerkelle ersetzt wurde.

Hut und Stiefel: Die Bauernweisheit "Wenn ein Lehmhaus jahrhundertelang halten soll, muß es einen guten Hut und feste Stiefel haben" hat sicher auch beim modernen Lehmbau nicht die Gültigkeit verloren.

Hydrophobierungsmittel: Ein zumeist aus Silikonen, Naturharzen oder Kunstharzen bestehendes, wasserabweisendes Mittel zum Imprägnieren von Lehm und Naturstein.

Kalk: Ein aus verschiedenen Kalkgesteinen durch Brennen gewonnenes Bindemittel, als Stück- oder Feinkalk erhältlich. Bauern benutzen seit alters her Kalk bzw. (kalkhaltigen) Mergel, um den Boden leichter zu machen, also seine Bindekraft zu schwächen. Deshalb ist Kalkzugabe bei Lehmbauern verpönt, wenngleich in "Entwicklungsländern" dem Lehm mit gutem Erfolg sowohl Kalk als auch Zement beigegeben wird, um seine Festigkeit und Wasserbeständigkeit zu erhöhen. Die Unterschiede erklären sich zum einen durch sprachliche Ungenauigkeit, da im ersten Fall abgebundener Kalk, im zweiten nicht abgebundener Kalk (Kalziumhydrat) gemeint ist. Zum anderen machen sie, wie oft beim Lehm, auf Forschungsbedarf aufmerksam.

Kalk-Kasein Anstrich: Kalk-Kasein bedeutet, daß Kasein durch Kalk aufgeschlossen wird. Er schützt Lehmflächen und macht sie resistent - ohne die Wasserdampfdurchlässigkeit wesentlich zu beeinträchtigen.

Kalk-Pisé-Bau: Ein in Anlehnung an die Lehmstampfbauweise entwickeltes und um 1843 in Deutschland zuerst von Prochnow angewendetes Verfahren zur Herstellung von Stampfwänden, bei dem anstelle von Lehm eine Mischung aus Sand und Kalk eingestampft wurde. Beim ersten Anblick leicht mit Stampflehm zu verwechseln. Kalk-Pisé-Bau ist in Brandenburg und Mecklenburg überraschend häufig zu finden.

Kalkschindeldach: Eine Dachdeckung mit Stroh und Kalk, bei der Kalkmörtel statt Lehm (wie beim Lehmschindeldach) verwendet wurde. Laut Tonindustrie-Zeitung wurden Kalkschindeln bei Siedlungsbauten in Schlesien durch den Architekten May um 1923 verwendet.

Kasein: Der wasserunlösliche Eiweiß- und hochwertige Nahrungsbestandteil der Milch fällt bei der Milchgerinnung aus. So entsteht ein natürliches Bindemittel, altertümlich auch Casein geschrieben, das die Grundlage für Kleber bildet, die ebenso einsetzbar sind wie heute gängige Baukleber. Ein weiteres Produkt, Kaseinfarbe, ergibt (z.B. mit Kalk aufgeschlossen) als Kalk-Kaseinfarbe einen hochwertigen, wetter- und wasserbeständigen Anstrich.

Kasseler Gewölbe: von Prof. Gernot Minke in Kassel entwickelte Gewölbebauweise, bei der ohne Schalung gemauert wird. Die Steine werden nicht so stark gekippt, daß sie ins Rutschen kommen. Die so entstehende sägezahnförmige Oberfläche streut außerdem den Schall besser.

Keramische Baustoffe: Bezeichnet aus tonhaltigen Erden geformte und gebrannte Baustoffe (Ziegel, Fliesen, Rohre u.ä.).

Kies: Korngrößen von Grob- bis Feinkies zwischen 60 und 2 mm.

Kleiber: Kleiber, auch Klicker, Kleber, Lehmer, Lehmterer, Lehmentierer, Lehmdecker, Lehmwandsetzer, Lehmtreter waren wandernde Berufshandwerker, die in Selbst- und Nachbarschaftshilfe ausgeführte Lehmarbeiten anleiteten.

Kleiberlehm: "... die Wände davon auszukleiben, und die Weller- und Fluhrwände davon aufzusetzen, wozu sich aller Lehm schickt, wenn er nur nicht kiesig ist, weil dieser sich ungern mit Stroh vermengen läßt." (Zinken 1800).

Kornverteilungskurve: Auch Sieblinie genannte grafische Darstellung des Kornaufbaus einer Lehmprobe, aus der man auf einen Blick den Anteil an Tonmineralien, Schluff, Feinsand, Sand, Kies ablesen und damit die Eignung des Lehms für einen speziellen Zweck ermitteln kann.

Krünitz: Während in neueren Lexika nur wenige Angaben unter dem Stichwort "Lehm" zu finden sind, widmete J.G. Krünitz in seiner "Oeconomischen Encyklopädie, oder allgemeines System der Staats-, Stadt-, Haus- und Landwirthschaft" dem Lehm und dem Lehmbau fast dreihundert Seiten und einige Abbildungen, was die damalige Bedeutung dieses Baustoffs ebenso demonstriert wie die Hoffnungen, die man in dieses Material setzte. Da seinerzeit viele Wälder durch die sprunghaft gestiegene Nachfrage nach Holzkohle verwüstet waren, sparte man durch Lehm wertvolles Bauholz ein. Krünitzens Enzyklopädie - noch immer ein lesenswertes Werk - erschien zwischen 1773 und 1858 in 242 Bänden.

Kuhdung: Die in Norddeutschland auch Kuhschiet genannte Geheimwaffe der Lehmbauern erhöht die Witterungsbeständigkeit des Außenputzes. Der hohe, kleingemahlene Faseranteil ergibt mit den Eiweißen des Harns (ggf. mit einem Kaseinanstrich verbunden) erstaunliche Resultate als Zusatz zum Kalk- oder Lehmputz.

Kuppel und Gewölbe: Die aus Lehmsteinen gemauerten oder aus Lehm auf einer Lehrschalung gestampften Gebilde, wurden im 18. und 19. Jahrhundert in Deutschland von einer Reihe von Autoren mit Eifer propagiert. Die Gewölben sollten die Feuersicherheit der Bauten verbessern und Bauholz sparen, wurden allerdings selten wirklich gebaut. Heute gibt es eine Renaissance: Bei dem Wohnhaus Minke in Kassel und dem Projekt artefact in Glücksburg wurden unterschiedliche Kuppeln und Gewölbe aus Lehmsteinen gebaut.

Lehm: "Im Bauwesen ist der Lehm ein unentbehrliches Material und wird, in geschlämmtem Zustand, gebrannt, zu Ziegelsteinen, an der Luft getrocknet zu Lehm- oder Luftsteinen, mit klein gehacktem Stroh oder Spreue, auch Haaren vermischt zu Lehmwänden, Lehmschindeln, auch an trockenen Orten im Innern der Gebäude zum Abputz der Decken und Wände, besonders aber zu allen Feueranlagen, als Heerden, Back- und anderen Oefen, Brandmauern usw. gebraucht ... Ebenso fertigt man Estriche auf Scheunentennen, Formen aus Eisenguß usw. aus Lehm ... in neuester Zeit ist der wohlfeile und dabei sehr solide Lehmbau, besonders als Pisé wieder in Anwendung gekommen; auch wird der Lehm in neuester Zeit als feuersicheres Deckmaterial für Dächer in Verbindung mit Steinkohlentheer gebraucht" (Baulexikon 1840).

Lehmarten: Auelehm, Berglehm, Gehängelehm, Geschiebelehm, Lößlehm, Mergel, Schlicklehm, Schwemmlehm. Ein Tonteilchen macht einen langen Weg von seiner felsigen Entstehung, bis es irgendwann verbaut wird.

Lehmaufbereitung: Mit Geräten wie Erdzerkleinerer, Sieb, Mischer sowie entsprechenden Verfahren verwandelt sich der Rohstoff Lehm (mittels Zuschlagstoffen, Bindemitteln u.ä.) in ein Baumaterial.

Lehmbau: Laut DIN 18951 sind Lehmbauten im Sinne der Lehmbauordnung solche Bauten, bei denen die tragenden Wände aus Lehm sind. "Verzimmertes Fachwerk und Gerippe aus anderen Baustoffen mit Lehmausfachung gelten nicht als Lehmbauten ..."

Lehmbauatlas: Das dicke Buch voller Anregungen und allen nur denkbaren Details soll es irgendwo geben. Seine Verbreitung wäre sicher ein wichtiger Schritt zur Förderung des Lehmbaus.

Lehmbetoneur: "Welche Bedeutung in Jena und Umgebung der Lehmbau hatte, ist daran zu erkennen, daß es hier einen besonderen Stand der Lehmbaubetoneure gab, die sogenannten Kleiber ..." (Schmollitzky).

Lehmbrote: Nach einem von Pastor Bodelschwingh in Dünne/Westfalen entwickelten Lehmbausystem werden handgeformte Lehmballen als Lehmbrote bezeichnet.

Lehmdrahtbauweise: Vom Baurat Paetz erfundene und patentierte Stampfbauweise, bei der in jedem Stampfabschnitt verzinktes Drahtgewebe eingelegt und im waagerechten Bereich mit Zementmörtel verstrichen wurde. Bei diesem Verfahren, das man um 1908 bis 1925 benutzte, diente das Drahtgewebe der besseren Putzhaftung, der Zementmörtel der besseren Lastverteilung.

Lehmgefache: Wandkonstruktion aus pflanzlichem Flechtwerk und beidseitigem Lehmbewurf, in der Regel als Ausfachung im Fachwerkbau.

Lehmkalkmörtel: Siehe auch Mergelkalk.

Lehmoment: Dieser nichtssagende Ausdruck für ein gutes neues Produkt der nordischen Naturbau GmbH steht für ein aus Strohleichtlehm gepreßtes Element 11,5/62,5/100, das sich untereinander verschrauben sowie zwischen Holzrahmen oder Deckenbalken fügen läßt.

Lehmmörtel: Er ist neben Kalkmörtel der geeignete Mörtel für das Vermauern von Lehmsteinen.

Lehmpatzen: "Lehmpatzen sind die zweite Art von Luftsteinen, die gleichfalls aus naß geschaffter Masse gemacht werden. Sie unterschieden sich bekanntlich von den Luftsteinen dadurch, daß sie mit Stroh durchschafft sind, wodurch sie mehr Consistenz erlangen und größer gemacht werden können." (Handbuch der neuesten ökonomischen Bauarten von 1827)

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