GELEITWORT

Im Dezember fand in der Heilig-Kreuz-Kirche in Berlin-Kreuzberg die erste Europäische Fachtagung und -messe "Modern bauen mit Lehm" statt. Der vorliegende Ratgeber ist ein Ergebnis und gleichzeitig auch Dokumentation dieser Veranstaltung, zu der ich damals als Vertreter des Senats von Berlin die Teilnehmerinnen und Teilnehmer begrüßte.

Besondere Grüße galten den zahlreichen auswärtigen Gästen, die aus anderen Bundesländern und verschiedenen europäischen Staaten nach Berlin gekommen waren und damit ihr Interesse am Tagungsthema und - so kann man unterstellen - auch am Tagungsort bekundeten. Für sie vor allem war auf den Zusammenhang zwischen Ort und Thema hinzuweisen: Die historisch mit viel märkischem Lehm erbaute Mitte von Berlin, der Bezirk Kreuzberg als Wiege und Vorreiter ökologischen Bauens in Berlin und der schöne Raum der als stadtökologisches Modellvorhaben um- und ausgebauten Heilig-Kreuz-Kirche lieferten den geeigneten Rahmen für eine Tagung und Messe, die auf diesen besonderen Teilaspekt des ökologischen Bauens gerichtet war.

Zu begrüßen war und ist auch die Initiative des Veranstalters und Ratgeber-Herausgebers KirchBauhof, der als Berliner Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft im Auftrag der Kirchengemeinde und mit Unterstützung des Senats maßgeblich am Ausbau der Kirche mitgewirkt, dabei Erfahrung und Kompetenz im ökologischen Bauen gewonnen und sich seitdem als Motor der ökologischen Entwicklung vor allem in Kreuzberg erwiesen hat. Mit dem Aufgreifen des Themas Lehmbau geschieht das ein weiteres Mal, und eine Publikation wie "Modern bauen mit Lehm" und die Vorbereitung einer 2. Lehmbaumesse im Oktober 1998 sind erfreuliche Belege dafür, daß KirchBauhof dem ökologischen Bauen nachhaltig verpflichtet bleibt.

Der traditionsreiche, vielseitige und höchst ökologische Baustoff Lehm hat es zur Zeit noch schwer beim Bauen in einer Großstadt, besonders bei den hauptstädtischen Bauaktivitäten. Im Umland sieht es nur wenig besser aus. Im Verhältnis zur Größe der Stadt sind relativ wenige Lehmbauten aus jüngerer Zeit bekannt, aber es gibt sie; in dem vorliegenden Ratgeber kann das im einzelnen nachgelesen werden. Dabei ist Lehm - wie schon gesagt - ein Baustoff, der in dieser Region, in dieser Stadt, früher zu den häufig verwendeten Grundstoffen zählte. Beim neuen Bauen, vor allem beim internationalen Bauen, scheint das etwas in Vergessenheit geraten zu sein. Immerhin hatte ich vor kurzem Gelegenheit, eine Baustelle zu besichtigen, bei der in Berlin erstmals Lehm - und zwar als Lehmputz - in einem öffentlich geförderten Wohnungsbauvorhaben zum Einsatz kommt. Für die meisten Teilnehmer dieser Baustellenbesichtigung dürfte das die erste Begegnung mit Lehm gewesen sein. Ebenso wird es den künftigen Bewohnern dieses Gebäudes ergehen. Denn kaum einer kennt heute noch die Zusammenhänge. Wie geht man mit Lehm um? Wie arbeitet man damit? Wie lebt man mit Lehm? Um das Thema Lehm erneut zu beleben, bedarf es der Information und Aufklärung. Dies will der vorliegende Ratgeber "Modern bauen mit Lehm" leisten.

Ökologisches Planen und Bauen ist in Berlin ein öffentliches Anliegen, für das meine Dienststelle steht und zuständig ist. Der Berliner Senat hat Grundsätze und Regelungen für ökologisches Planen und Bauen verabschiedet, und trotz extremer Haushaltsprobleme und leerer Kassen gibt es Möglichkeiten, ökologisches Bauen zu fördern, z.B. über das kleine Landesprogramm für stadtökologische Modellvorhaben, das u.a. bei der Heilig-Kreuz-Kirche und bei dem oben erwähnten Lehmbauprojekt zum Einsatz kam. In unseren Richtlinien heißt es im übrigen, daß nur solche Materialien bei der Bauausführung verwendet werden sollen, die hinsichtlich ihrer Gewinnung, Verarbeitung, Funktion und Beseitigung hohe Gesundheits- und Umweltverträglichkeit aufweisen. Auf welches Material, wenn nicht auf Lehm, sollte das zutreffen?

Das vorliegende Buch verbindet auf nützliche Weise den Inhalt eines Ratgebers für Bauherren, Planer, Architekten, Handwerker mit dem eines Fachbranchenbuches. Es könnte - und das wünsche ich ihm - eine Brücke zwischen Anbietern und Nachfragenden werden und den Markt für die energie- und umweltschonende Bauweise fördern und beleben.


Peter Foerster-Baldenius
Leiter des Referats Ökologischer Städtebau
der Senatsverwaltung Bauen, Wohnen und
Verkehr von Berlin


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