VORWORT DES HERAUSGEBERS


Deutlicher als andere ökologische Bauweisen zeigt der zeitgemäße Lehmbau, daß das umweltpolitische Ziel einer umwelt-, sozial- und wirtschaftsverträglichen Technologie erreichbar ist. Dennoch kennen nur wenige die modernen Lehmbaustoffe und -konstruktionen - und das gilt aus Gründen unserer jüngsten Geschichte ganz besonders für die Region Berlin/Brandenburg. Dies ist der Grund, weshalb sich eine gemeinnützige Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft wie KirchBauhof mit Lehmbau beschäftigt. Ihre Aufgabe ist die Umsetzung der offiziellen Arbeitsförderungspolitik zur Reduzierung der Arbeitslosigkeit mit den klassischen und - wie die Realität zeigt - weitgehend erfolglosen Instrumenten Arbeitsbeschaffungs-, Fortbildungs- und Umschulungsmaßnahmen.

Die Erkenntnis, daß die Industrie immer mehr Produkte mit immer weniger Arbeitskräften herstellen wird, hat die Köpfe der maßgeblichen Politiker noch nicht erreicht. Problemlösungsstrategien, die neben die Wirtschaftsverträglichkeit einer Innovation auch nach ihrer Umwelt- und Sozialverträglichkeit fragen, sind noch weit von ihrer Umsetzung entfernt. Immerhin: der Umweltschutz hat in kaum zwei Jahrzehnten seine Anerkennung als gesellschaftlich unverzichtbares Ziel erkämpft. Warum sollte das angesichts fortdauernder Massenarbeitslosigkeit - und zwar trotz des nächsten Aufschwungs! - nicht auch solchen Technologien gelingen, die beschäftigungslose Arbeitskräfte zu binden vermögen?

Das ökonomische Fragezeichen, das zur Zeit noch viele mit der Ökologie, mit ökologischem Bauen und besonders mit dem Lehmbau verbinden, ist Ausdruck der Erfahrung, daß ökologische Produkte meist noch teurer als industrielle Massenware sind. Die Ökoexperten verwenden viel Energie darauf, den Nachweis zu erbringen, daß dies nicht so sein müsse.

Aber die Skeptiker haben leider häufig recht; meist bewahrheitet sich ihre Ahnung, ökologisch könne nicht billig sein. Und in dieser Ahnung steckt etwas Richtiges: das Wissen, daß umweltorientiertes Produzieren einer anderen Logik folgt als der schnellen Gewinnerzielung und daß jede Orientierung auf Umwelt und menschliche Lebensqualität mit mehr Arbeit, also mehr Beschäftigung, letztlich mit höheren Kosten verbunden ist. Aber dieses Wissen - die globalisierungsfixierte Politik verdrängt es systematisch - enthält auch die Chance für ein Umdenken in der Wirtschaftspolitik, ohne das eine nachhaltige Arbeitsförderungspolitik unmöglich ist.

Das vorliegende Buch mit CD-ROM- und Internet-Ausgabe ist aus der gleichfalls von KirchBauhof veranstalteten Europäischen Fachtagung und -messe "Modern bauen mit Lehm" im Dezember 1997 in Berlin hervorgegangen. Ratgeber, Tagung und Messe - letztere wird 1998 fortgesetzt - sind Fördermaßnahmen des von der Europäischen Union unterstützten und von KirchBauhof konzipierten wie realisierten Projekts ADAPT-TREAT. Sein Ziel ist die nachhaltige Sicherung von Arbeitsplätzen in kleinen und mittleren Unternehmen des Bauhaupt- und -nebengewerbes durch betriebswirtschaftliche Optimierung und Einführung modernster und umweltgerechter Bautechnik, kurz: Anpassung an ökologische Anforderungen und veränderte Marktbedingungen. Dies geschieht mit einem besonderen Beratungsangebot und speziellen markterschließenden Maßnahmen.

Ich bedanke mich bei allen, die mit ihrer Hilfe, ihren Beiträgen, Informationen und Hinweisen dieses Buch ermöglichten und wünsche seinen Lesern, daß es ihnen mit seinem Rat zu umweltgerechterem Bauen verhilft.


Matthias Roß
Geschäftsführer KirchBauhof gGmbH


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